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Nicht ganz nüchtern durch den Harz: Schierke und Thale

LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
eigentlich sind die Tipps in unserem Frische-Luft-Newsletter immer für Klein wie Groß geeignet, für die ganze Familie sozusagen. Mein Kollege Roland Herold, der für diese Ausgabe im Harz, in Schierke und Thale war, erwähnt in seinem Text, dass auch dieser Ausflug für Familien geeignet ist. Stimmt auch, Wandern, ein bisschen rumgucken, warum nicht.
Einzige klitzekleine Kleinigkeit: das Highlight eines Besuchs in Schierke ist nun mal der Schierker Feuerstein - ein Schnaps. Aus gesunden Kräutern zwar, aber dennoch - ein Schnaps eben. Sollten sie mit Kindern dort sein, gibt’s also verantwortungsbewusst nur einen, ja ? (Also, für die Erwachsenen!) Ansonsten: Vielleicht zwei, oder drei. Vielleicht geht’s dann auch nicht ganz nüchtern weiter nach Thale, auf den Brocken. Mit der Brockenbahn dann, nicht zu Fuß (das überlassen Sie den nüchternen Familien. ;-))
Ansonsten in dieser Ausgabe: Theater, Bierbrauerei und ein Konzert. Und, ganz unten, ein Hinweis in eigener Sache: Die LVZ lädt Sie, liebe Leserinnen und Leser in der Leipziger Region, zum Stammtisch ein.
In diesem Sinne - schnappen Sie frische Luft mit uns und: Prost!
Herzlich
Ihre Julia Grass
P.S.: Themen, Artikel, Geschichten und Tipps für Familien gibt es übrigens einmal pro Woche im LVZ Familie Newsletter. Garantiert ohne Schnaps: Anmelden können Sie sich hier.

Nicht ganz nüchtern durch den Harz: Schierke und Thale

Teufelsmauer bei Thale im Sonnenuntergang. Foto: imago
Teufelsmauer bei Thale im Sonnenuntergang. Foto: imago
​"Nee, das ist gar keine richtige Apotheke“, ruft ein Motorradfahrer einem zweiten zu, der an der Straße in Schierke (Landkreis Harz) auf ihn wartet. „Hier gibt’s nur Schnaps.“ Enttäuscht starten sie ihre schweren Maschinen wieder und fahren unverrichteter Dinge aus Schierke hinaus. Was aber heißt hier „nur Schnaps“? Rund 100 Meter weiter, gleich in der ersten Reihe auf dem Friedhof von Schierke hat sich in diesem Augenblick gerade ein Mann in seinem Grabe umgedreht.
Der Mann heißt Willy Drube, lebte von 1880 bis 1952 und war einst Inhaber jener Apotheke zum roten Fingerhut in Schierke, die heute „nur noch“ Museum und Verkaufsladen ist. Einst – um 1900 – war der Ort das St. Moritz des Harzes, wo nicht nur die „Schierkeria“ gern feierte und gut aß. Und Apotheker Drube wurde oft zu später Stunde bemüht, wenn das Völlegefühl überhand nahm. „Er hatte das Herz am rechten Fleck und den Schalk im Nacken“, erklärt Ralf Gläsing bei einer Führung den neugierigen Gästen.
Drube entwickelte in seinem Keller aus Kräutern, denen eine wohltuende Wirkung auf den Magen nachgesagt wurde, eine eigene und keineswegs bittere Medizin. Dadurch wurde die Nachfrage nach seinen Diensten allerdings nur noch größer. Nun kamen auch völlig Gesunde. Das brachte Bürgermeister und Pfarrer bei einem gemeinsamen Gelage mit Drube auf die Idee, der Schnapsidee einen werbewirksamen Namen zu geben: „Schierke“ galt als gesetzt und „Feuerstein“ wurde mit viel Fantasie herbeigebogen, da die nahen Feuersteinklippen aus 250 Millionen Jahren altem Granit gelegentlich einen rötlichen Schimmer zeigten – wie Drubes 35 prozentiges Gebräu. 1924 gab es das Patent für den „Schierker Feuerstein“.
Ralf Gläsing führt durch die einstige Apotheke zum roten Fingerhut. Foto: Roland Herold
Ralf Gläsing führt durch die einstige Apotheke zum roten Fingerhut. Foto: Roland Herold
Er wurde zur Legende und trotz getrennter Herstellung in Ost und West nach der Friedlichen Revolution wieder Aushängeschild des Ortes im Harz. Heute kann man neben „Schierker Feuerstein“ auch „Schierkuja“ (Likör mit 15 Prozent), Grillsoße, Senf, Fruchtaufstrich oder Wurst mit den Schierker Kräutern erwerben. Fanartikel und Führungen gibt es natürlich auch.
Solchermaßen gestärkt und im Magen erwärmt, geht es nun also mit der ganzen Familien mit der Brockenbahn in fröhlicher Tour hinauf auf den Brocken. An anderen (nüchternen) Tagen kann man natürlich auch den Aufstieg zu Fuß wagen, ob von Schierke, von Drei-Annen-Hohne oder auch von Ilsenburg aus, wie Heinrich Heine es in seiner „Harzreise“ beschrieben hat. Allerdings bedarf es dafür einer gewissen Grundkondition.
Mehr als 1,1 Million Fahrgäste pro Jahr nutzen dagegen das 140,4 Kilometer lange Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), zu denen neben der Brocken- auch die Harzquer- und die Selketalbahn gehören. Mit einem Höhenunterschied von 1004 Metern vom niedrigsten Punkt (Quedlinburg, 121 Meter) zum höchsten (Brockenbahnhof,1125 Meter) hält die HSB den Rekord in Deutschland.
Oben auf dem Berg ist es dann – meist – neblig. Doch auch wenn sich Teufel und Hexen vor allem in der Walpurgisnacht auf dem höchsten Berge Norddeutschlands (1141,2 Meter) tummeln, so bleibt bei Nebel immer noch die Hoffnung auf das „Brockengespenst“. Eine Lichterscheinung, die entsteht, wenn der Schatten des Beobachters auf eine Nebel- und Wolkenschicht fällt. „Schierker Feuerstein“ soll den Effekt übrigens deutlich verstärken.
Der „Große Waldkater“ am Katersteg in Thale.Der „Große Waldkater“ am Katersteg in Thale. Foto: Roland Herold
Der „Große Waldkater“ am Katersteg in Thale.Der „Große Waldkater“ am Katersteg in Thale. Foto: Roland Herold
Knapp eine Dreiviertelstunde mit dem Auto von Schierke entfernt liegt Thale. Das Eingangstor zum Harz mit der sagenumwobenen Bode, mit Hexentanzplatz und Rosstrappe beflügelt nicht nur Kinderfantasien. Jugendherbergsleiter Michael Hesse kann sich dieser Tage über mangelndes Interesse jedenfalls nicht beklagen. Die Herberge – einst Gasthof „Großer Waldkater“ – liegt direkt am Eingang des Bodetals und verfügt über rund 170 bis 180 Plätze. Allerdings könnten derzeit coronabedingt nur etwa 120 Plätze mit entsprechendem Abstandsgebot vergeben werden. „Die sind bis zum Ende der Ferien fast komplett ausgebucht“, sagt Hesse.
Der Name geht übrigens auf einen Weinpanscher zurück, der einst in einen Kater verwandelt worden sein soll. Als ihn ein Jäger erschießen wollte, rettete er sich durch die Preisgabe eines Rezeptes für einen Maitrunk. Dumm nur: Der Maitrunk war dann auch gepanscht.
Seit rund drei Jahren gehört auch daneben liegende ehemalige Ausflugsgaststätte „Kleiner Waldkater“ am Katersteg dazu. In dem Backsteinziegelgebäude wurden die acht bestehenden Zimmer renoviert für ein zusätzliches Bettenhaus.
Bei den Seilbahnen in Thale wächst seit Ferienbeginn die Hoffnung, zumindest einen Teil der wegen Corona verlorenen Besucher zurückgewinnen zu können. 720.000 waren es 2019. Mehr als ein halber Jahresumsatz werde es aber wohl nicht werden, meint Pamela Groll – auch, weil der Juni schleppend anlief. Mittlerweile steht wieder eine Schlange vor dem Eingang.
Thales Tourismusmanagerin Kathrin Friedling sagt: „Im Juli und August hat es ganz schön angezogen. Viele Ferienwohnungen und Ferienhäuser sind ausgebucht.“ Wer aber trotzdem spontan in Thale seinen Urlaub verbringen wolle, für den finde sich immer noch etwas.
Langweilen? Das geht eigentlich gar nicht. Denn der Ort hält mit seinen Seilbahnen, Spielplätzen, Schwimmbädern, Wanderwegen, Bergtheater, Tierpark und Mountainbike-Strecken für jeden etwas bereit. Auch die Bodetaltherme darf wieder genutzt werden. Und zur Not gibt es ja auch hier den „Schierker Feuerstein“.
von Roland Herold
Was tun am Wochenende?

Freitag
Sommerabend: ​Treffen sich drei Freundespaare zum gemeinsamen Essen und eigentlich hätte es ein schöner Abend werden können. Hätte nicht einer die Idee gehabt, alle Handys auf den Tisch zu legen und sämtliche Gespräche öffentlich zu führen. Die INSELbühne präsentiert die letzte Vorstellung vom Sommertheaterstück „Geheimnisse“ auf der Terrasse der Moritzbastei. Einlass ist 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Karten gibt es online hier!
Sonnabend
Brau dein Bier: ​Wer sich schon immer mal seinen eigenen Gerstensaft aus geschrotetem Malz brauen wollte, der ist in der Mitmachwerkstatt Makerspace Leipzig willkommen. Der Grundkurs, der erst ab vier Teilnehmer stattfindet, läuft von 10 bis 18 Uhr. Ort: Lindenthaler Straße 61-65.
Sonntag
Familienkonzert: ​Im Innenhof der Grassi Museen spielt ab 15 Uhr das Ensemble „Leipziger Concert“ Werke von Georg Philipp Telemann. Das Familienkonzert „Gulliver trifft den Ritter von der traurigen Gestalt“ ist kostenfrei erlebbar. Bei Regen ziehen die Musiker und das Publikum ins Foyer im 1. OG.
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