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Frühstück to go: Diese Cafes liefern oder bieten Abholservice

LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
meine gute Freundin K. spart in der Pandemie sehr viel Geld. Als sie mir am vergangenen Sonntag den Betrag nannte, den sie in zwei Monaten angesammelt hatte, stand mir der Mund offen. “Wie um Himmels Willen hast du das gemacht?”, habe ich gefragt. “Naja, ich gehe nicht mehr essen”, hat sie geantwortet und ich wiederum: “Ja und?” und sie: “Wie, ja und?” und ich: “Heißt das, du kochst nur noch selbst?” und sie: “ja, klar, wie jetzt, du nicht?”
Tja, nein, ich nicht. Ich kann zwar gerade nicht essen gehen, aber ich kann Essen zu mir holen und das mache ich gerne und häufig - um genau zu sein, verzehrte ich, während K. mir am Telefon ausführlich ihre wöchentlichen Kochplan erläuterte, gerade ein nicht-selbst-gemachtes Frühstück. Bestellt bei einem kleinen Café in meiner Nähe: Dem Forest Park auf der Karli. Klar, den French Toast hätte ich auch selbst machen können. Hab ich am nächsten Morgen dann auch direkt getan - hat Geld gespart, aber leider auch nicht so gut geschmeckt. Außerdem finde ich, dass geliefertes Frühstück tatsächlich fast noch besser ist, als Frühstück im Restaurant. Man muss dafür nämlich nicht mal den Pyjama verlassen (ist auch nur ganz kurz unangenehm an der Tür, wenn man das Frühstück entgegen nimmt. Lässt nach mit jeder neuen Bestellung).
Deshalb freue ich mich sehr, dass meine Kollegin Kerstin Decker für Sie eine Auswahl zusammengestellt hat an Restaurants, die Frühstück entweder zum Abholen oder zum Liefern anbieten. Ob als Gericht oder gleich als ganze Frühstücksbox. Schauen Sie es sich mal an - Sie sparen damit natürlich kein Geld, aber sie tun sich was Gutes. Und nicht nur sich - auch den kleinen Restaurants und Cafés. Ich seh das jedenfalls so: Jedes Mal, das ich nicht koche, unterstütze ich die lokale Gastronomie.
Ansonsten in dieser Ausgabe: Meine Kollegin Vanessa Gregor hat die Kleingarten-Päpstin Leipzigs zu Ihren Tipps fürs richtige Bepflanzen befragt. Außerdem wieder etwas die Radfahrer*innen unter Ihnen - ein Ausflug ins schöne Altenburger Land, den meine Kollegen aus unserer dortigen Redaktion für Sie ausgewählt haben. Und als Tipp fürs Sofa haben wir diese Woche Juli Zehs neuen Roman für Sie. Mein persönliches Highlight auch für alle, die mit Kleingärtnern nichts am Hut haben. Sie werden sehen, weshalb…
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende - schreiben Sie mir doch gern, wenn Sie eins der Frühstücks-Cafés ausprobiert haben (und falls jemand das Forest Park testet: Ich empfehle French Toast mit Zitronenquark, Heidelbeeren und gerösteten gesalzenen Mandeln!)
Herzlich
Ihre Julia Grass

Essen in Leipzig: Hier kann man Frühstück bestellen

Auch im Lockdown kommt er manchmal – der Appetit auf ein besonderes, leckeres Frühstück. Viele Restaurants in der Nachbarschaft freuen sich, wenn ihre Gäste trotzdem kommen und sich „Frühstück to go“ holen. Hier eine kleine Auswahl, was wo in Leipzig geht.
Le Caphe, Georg-Schumann-Straße 130
Kleine Frühstückskarte, aber dafür hohe Qualität und fast alles selbstgemacht – das ist der Anspruch von Inhaber Hoa Nguyen-Tran (33) und und seiner Frau Huyen Tran (30) vom „Le Caphe“ in Gohlis. Schon in den frühen Morgenstunden sind die Familienunternehmer im Laden und stellen die Töpfe auf den Herd. Parallel zu den Vorbereitungen fürs Mittagessen – das Hauptgeschäft im „Le Caphe“ – stellen sie auf Wunsch „Frühstück to go“ zusammen. Einen Tag vorher muss es bestellt und dann auch selbst abgeholt werden (zwischen 9.30 und 11 Uhr, noch bevor das Restaurant offiziell öffnet). Die Frühstückskarte wechselt wöchentlich, in dieser Woche gibt es Bio-Haferflocken (6 Euro), Pancakes aus Bio-Eiern mit hausgemachtem Tonka-Karamell und frischem Obst (8,50 Euro) sowie zwei verschiedene Baguette-Varianten (8,90 Euro). Am Wochenende ist das „Le Caphe“ geschlossen.
Telefon: 0151 0086989
Forest Park, Karl-Liebknecht-Straße 94
Ob English Breakfast oder French Toast, Pancakes mit Ahornsirup oder Grilled Cheese, Burger, fruchtige Müslis, vegetarisches oder veganes Frühstück – im „Frühstücksladen“ Forest Park Leipzig in der Karl-Liebknecht-Straße 94 werden einfach alle Geschmäcker bedient. Die lange Karte bietet eine reiche Auswahl. Wer selbst zum Abholen kommt, sollte 15 Minuten vorher bestellen. Wer die Anlieferung durch Lieferando in Anspruch nehmen will, sollte 30 bis 45 Minuten Wartezeit einkalkulieren. Der Mindestbestellwert liegt bei 10 Euro, die Liefergebühr beträgt 1,50 Euro.
Telefon: 0179 9307656
„Mein liebes Frollein“, Fichtestraße 15
„Die Nachfrage nach ,Frühstück to go’ ist in der Woche nicht so groß wie gedacht“, bedauert Elisa Beldowski (34), Inhaberin vom „Mein liebes Frollein“ in der Fichtestraße 15. Deshalb konzentriert sie sich aufs Wochenende.
Samstags und sonntags ab 9 Uhr stellt sie in ihrem kleinen Café in der Südvorstadt ein leckeres Bio-Frühstück zum Selbstabholen zusammen. Sogar Spätentschlossene kommen zum Zug: „Es reicht, eine halbe Stunde vorher anzurufen“, sagt Elisa, „wir sind ja sowieso hier im Laden und backen.“
Zur Auswahl stehen ein süßes Frühstück mit zwei Croissants, Brot, Butter und Marmelade (6,90 Eur0), Käsefrühstück klein (7,50 Euro) oder groß (10,90 Euro), veganes Frühstück (8,90 Eur0) oder hausgemachtes Müsli (5,90 Euro).
Telefon: 0341 67928421
Jeepney Café, Georg-Schumann-Straße 78
Seit November kannt man sich im Jeepney Café sein Frühstück vorbestellen und selbst abholen oder per Lieferservice bringen lassen. Die Auswahl auf der Bestellseite ist groß und reicht von süßen und herzhaften Pancakes (ab 8,50 Euro) über verschiedene Brotkörbe mit Marmelade, Käse, Frischkäse oder Lachs (ab 5,90 Euro) bis zu gebackenen Haferflocken (5,50 Euro). Dazu kann ein frisch zubereitetes Getränk gewählt werden. Geliefert wird mit eigenem Lieferdienst innerhalb von Gohlis, Möckern, Eutritzsch, Wahren sowie ins Stadtzentrum. Wer in anderen Stadtteilen wohnt, muss sein Frühstück selbst im Café abholen.
Lieferzeiten: Mittwoch, Donnerstag, Freitag von 9 bis 13 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 8 bis 13 Uhr. Der Mindestbestellwert beträgt 25 Euro, die Anlieferung kostet 3,90 Euro.
Telefon: 0341 69866680
1. Leipziger Brotschule, Zimmerstraße 1
„Die Leipziger sind nicht so die Frühaufsteher“, schätzt Janett Thunnessen vom Backhaus Wentzlaff ein. Eine spezielle Frühstückskarte „to go“ lohnt sich bislang nicht in der 1. Leipziger Brotschule in der Zimmerstraße, unweit vom Neuen Rathaus. Aber wer einen Tag vorher anruft, kann sich bei den freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz spontan seine individuelle Auswahl an belegten Brötchen, Brot, Schweinsohren, süßen Teilchen oder Torte bestellen. Ein belegtes Salami- oder Käsebrötchen kostet 2,40 Euro, der Café Crema dazu 1,90 Euro. Lieferservice ist nicht möglich, dafür Selbstabholung jeden Morgen (montags bis sonntags) schon ab 7 Uhr.
Telefon: 0341 91359097
Bagel Brothers, Karl-Liebknecht-Straße 1a
Bagels gehen immer, auch schon zum Frühstück! Bestellbar sind die leckeren Hefebrötchen mit Loch entweder als kleines (6 Euro), mittleres (7,50 Euro) oder großes Frühstück (8,50 Euro). Im Paket stecken dann jeweils ein Bagel, Kaffee oder Tee sowie ein gekochtes Ei. Dazu kommt je nach Auswahl frisch gepresster Orangensaft.
Die Bagel-Brothers-Filiale in der Karl-Liebknecht-Straße 1a bietet auf Wunsch Anlieferung. Für die Frühstückskarte gilt das montags bis freitags von 9 bis 11.30 Uhr, samstags von 10 bis 11.30 Uhr und sonntags von 10 bis 14.30 Uhr.
Mindestbestellwert 15 Euro (darunter: Mindermengenzuschlag 2,50 Euro), plus Lieferservice (je nach Postleitzahl 2,50 bis 18,50 Euro)
Telefon: 0341 9104646
Hotel Seeblick, Karl-Liebknecht-Straße 125
In der Szenekneipe „Hotel Seeblick“ in der Südvorstadt wird das Thema Frühstücken zeitlich nicht so eng gesehen, daher ist es nicht auf den Vormittag beschränkt. Täglich bis 16 Uhr kann man sein Frühstück bestellen und es sich ab 12 Uhr selbst abholen. Oder Lieferando bringt es ab 11.30 Uhr nach Hause oder ins Büro. Zur Auswahl stehen Bagels (5,60 Euro), herzhafte oder süße Pancakes (ab 7,50) sowie Rührei mit verschiedenen Beilagen (ab 4,50 Euro).
Telefon: 0341 2253952
Tipps von der Expertin: Wie man einen Kleingarten richtig bepflanzt

Yvonne Penter in ihrem Kleingarten. Foto: André Kempner
Yvonne Penter in ihrem Kleingarten. Foto: André Kempner
Plastik und Pestizide will Yvonne Penter in ihrem Leipziger Kleingarten nicht haben. Stattdessen setzt sie auf natürliche Prozesse und altes Wissen. Sie hat einen naturnahen Garten. Seit 2002 pflanzt und baut sie auf ihrem Stück Grün im Kleingartenverein „An der Dammstraße“. Im Jahr 2020 wurde sie für ihre Arbeit von der Stadt ausgezeichnet. Es sind nicht nur die zahlreichen Pflanzen, die sich bei ihr wohlfühlen, sondern auch Eidechsen, Bienen, Kröten und Vögel. Sie weiß, wie es geht, mit dem grünen Paradies. Hier sind Ihre Tipps für den Kleingarten:
Was sind die ersten Schritte zur Bepflanzung eines Kleingartens?
Wer seinen Kleingarten frisch bepflanzt, sollte sich vorab einen Plan machen. Und sich informieren: Was darf gepflanzt und gebaut werden, was nicht? „Manche Vereine sind liberal, manche restriktiver.“ Auch Rücksicht auf die Nachbarn zahlt sich aus, gerade bei Sichtschutzbepflanzung. Und es gibt klare Verbote: Wald- und Parkbäume gehören nicht in einen Kleingarten – auf eine Eiche sollte beispielsweise verzichtet werden. Ziergehölzer und Obstbäume wie Apfel oder Birne sind dagegen erlaubt.
Was ist ein naturnaher Garten?
Naturnah, sagt Yvonne Penter, ist etwas anderes als naturbelassen. Ein naturnaher Garten ist nicht verwildert. Viel mehr geht es darum, die Natur zu beaufsichtigen und “eine Oase zu schaffen”, so Penter. Das geschieht zum Beispiel, in dem man innerhalb des Gartens einen Kreislauf erhält. Also: Alles, was der Garten produziert, bleibt auch dort. So landet Obst zum Beispiel auf einem Komposthaufen, der wiederum als Dünger für die Pflanzen dienen kann.
Wie findet man das richtige System zur Pflege des eigenen Gartens?
„Bei jedem Garten sollte man bei der Bepflanzung auf eine gute Durchmischung achten, aber trotzdem nicht alles wild durcheinander setzen“, betont Yvonne Penter. Es gelte, den Garten genau zu beobachten: Wo steht beispielsweise die Sonne im Sommer, wo ist der Boden hart? Größere Pflanzen bieten Sonnenschutz und lassen den Boden nicht so schnell austrocknen.
Penter mulcht regelmäßig. Mulchen bedeutet, den Boden im Garten regelmäßig mit natürlichen Materialen zu bedecken, die durch Verrotten langsam zu fruchtbarem Humus umgewandelt werden. Das Prinzip ähnelt dem eines Komposthaufens, da nicht jeder gern Gemüse oder Obst wild im Garten verrotten lässt, gibt es zum Beispiel Mulchpapier oder Mulchfolie aus Maisstärke. Das Ergebnis braucht seine Zeit, doch über Jahre hinweg lockert der Boden sich so gut auf.
Welche Pflanzen eignen sich als Sichtschutz?
Yvonne Penters Tipp: ­Thuja-Hecken und Kirschlorbeer sind zwar schön, aber ökologisch nicht sehr sinnvoll, zum Teil sogar giftig. Der Buchsbaum wird in den vergangenen Jahren vom Buchsbaumzünsler geschädigt. „Es gibt schöne Alternativen. Wilden Wein zum Beispiel, Clematis, Kletterhortensie oder einjährige Kletterpflanzen.“
Foto: Yvonne Penter
Foto: Yvonne Penter
Wie düngt man richtig?
Im naturnahen Garten sollte auf synthetische Mittel verzichtet werden. Zum Düngen eignet sich alternativ organisches Material wie Kompost oder Mist. „Und es gibt Pflanzentees“, erzählt Penter. Eine Brühe aus Brennnesseln hilft wiederum auf natürliche Art gegen Schädlinge. Es gibt Pflanzen, die beispielsweise viele Marienkäfer anziehen. Ringelblumen zum Beispiel, oder Kornblumen und Minze. Marienkäfer fressen unter anderem Blattläuse. Aufpassen sollte man bei Pilzkrankheiten. „Wenn ich einen infizierten Apfel finde, dann kommt der bei mir auch nicht mehr auf den Kompost“, so Penter.
Im Herbst Obst liegen lassen, das sei in Ordnung, wenn es nur Wurmlöcher hat und nicht mit einem Virus befallen ist. Penter schaut sich deshalb ihren Garten immer ganz genau an. Beim Gärtnern geht es ihr darum, Ressourcen zu schützen, Vielfalt zu schaffen und zu erhalten. „Und es einfach mal so zu lassen, wie es wächst.“
Welche Regeln muss man im Kleingarten beachten?
Eine Parzelle im Verein muss eine „kleingärtnerische Nutzung“ haben. Vereinfacht gesagt ist damit der Anbau von Obst und Gemüse gemeint. Durch „Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf“ wird laut Bundeskleingartengesetz ein solcher Garten definiert – der Pächter sollte sich an diese Regelung halten.
Wo bekommt man gutes Saatgut?
Es mag sonderbar klingen, aber Yvonne Penter bezieht ihr Saatgut vor allem über Tauschbörsen und Saatgutkooperativen von Züchtern. Solche Sorten sind meist robuster als hybride Samen - und geben diese Eigenschaften weiter.
Wie steht es um Insekten oder Tiere im Kleingarten?
Für gesundes Leben im Kleingarten können übrigens auch die sogenannten Insektenhotels sorgen. Wer außerdem Wasserplätze anbietet, bekommt Besuch von Vögeln oder Igeln – und hat etwas zu beobachten. Das gehe zum Teil sogar auf dem heimischen Balkon, sagt Yvonne Penter.
Vielfältige Radtouren im Altenburger Land

Foto: Unterer Schlosspark ©Eva Anna-Lena Zorn
Foto: Unterer Schlosspark ©Eva Anna-Lena Zorn
Mehr als ein Geheimtipp! Das Altenburger Land bietet auf engstem Raum die vielfältigsten Attraktionen und kulinarischen Offerten, beispielsweise die architektonisch traumhafte, einstige Residenzstadt Altenburg mit ihrem atemberaubenden Residenzschloss und einem der größten innerstädtischen Marktplätze in Deutschland. Auch jenseits der Stadtgrenzen garantiert die ursprüngliche Landschaft Erholung und Inspiration pur. Alle Attraktionen sind gut zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Das Altenburger Land bietet Erholung und Inspiration pur. Wir haben Ihnen einige individuelle Rad- und Wanderrouten zusammengestellt und stellen heute die Tour von Altenburg ins Kohrener Land vor.
Diese Tour bietet Höhepunkte für jedes Alter. Wälder wechseln sich mit Seen ab und präsentieren eine breite Palette an touristischen Attraktionen.
Eine der beliebtesten Fahrradtouren im Südraum von Leipzig führt am Pahnaer See vorbei in den Leinawald. Nur einen Katzensprung entfernt grüßt die Burg Gnandstein und lädt die Töpferstadt Kohren-Sahlis mit ihren Schautöpfereien zur Erkundung ein. Weitere Panoramablicke in die Natur bieten unter anderem die Paditzer Schanzen. Die Tour führt zum Teil auf ausgebauten Fahrradwegen, teils auf befahrenen Verkehrs- und Nebenstraßen. Es sind leichte bis mittlere Anstiege zu bewältigen.
Fürs Sofa: Juli Zeh - Unter Menschen

Dora muss raus. Einfach weg von allem. Irgendwo neu beginnen. Raus aus dem hysterisch überdrehten Berlin, der Endlosschleife immer gleicher Gespräche über gesunde Ernährung und korrekte Mülltrennung. Weg von ihrem Freund Robert, der sich vom Klima-Aktivisten zum Corona-Schamanen gewandelt hat und Gefolgschaft erwartet. Seit die Pandemie da ist und die Menschen Masken tragen, kommt alles ins Rutschen. Beziehungen und Gewissheiten lösen sich auf. Die Werbe-Agentur, in der sie eben noch als Star-Texterin verehrt und gut bezahlt wurde, verdonnert Dora zum Homeoffice und wird ihr später per Mail die Kündigung aussprechen. Da ist Dora aber längst schon abgehauen, hat die Café-Latte-Schickeria, die Cancel-Culture- und Gender-Sternchen-Debatten abgeschüttelt wie lästige Fliegen, hat schnell ein paar Sachen und ihren Hund eingepackt und ist nach Bracken gefahren, einem (fiktiven) Kaff in der Prignitz.
Hier, in diesem Landkreis von Brandenburg, wo die Arbeit ausstirbt und die Zukunft keine Perspektive hat, die Fremdenfeindlichkeit zum Alltag gehört und die AfD viele Wählerstimmen einheimst, hat sich Dora vor einiger Zeit ein altes Haus gekauft. Aus einer Laune heraus. Vielleicht auch, weil sie schon vor der Corona-Katastrophe ahnte, dass demnächst alles den Bach runter gehen und ihr bisherigen Leben zerbröseln wird wie ein trockener Keks.
Jetzt ist sie in Bracken, allein mit sich, einem langsam dahin schmelzenden Bankkonto und einem verwilderten Garten, den sie schweißtreibend beackern muss. Und mit einem Nachbarn, Gottfried, genannt Gote, der jetzt, wo sie gerade die Sense schwingt und sich überlegt, wo sie Tomaten pflanzen könnte, seinen stiernackigen Glatzkopf über die Mauer reckt, sie anblafft, er werde ihren Hund platt machen, wenn er noch einmal seine Saatkartoffeln ausgräbt, um grinsend hinzuzufügen: „Ich bin hier der Dorf-Nazi.“
Alle haben Dora vor den dickschädeligen Menschen und dem dumpfen Rechtsradikalismus in der Provinz gewarnt. Aber dann geschehen Dinge, die Doras Weltbild ins Wanken bringt und in kein Raster passen. Gote mag ein Nazi sein, aber er ist auch der fürsorgliche Vater eines kleinen Mädchens, ein sensibler Vogelkundler und ein Nachbar, der zupackt, für Dora Möbel schreinert und Wände streicht, einfach so, ohne irgendeine Gegenleistung zu fordern oder zu erwarten. Und die beiden Typen von gegenüber, die einen AfD-Aufkleber auf ihrem Pick-Up haben und sich über die blöden Politiker und weltfremden Entscheidungen im fernen Berlin aufregen, sind in Wahrheit ein schwules Paar und pflanzen nicht nur Blumen, sondern auch Cannabis.
In ihrem neuen Roman, „Über Menschen“, zerfleddert Juli Zeh genüsslich Vorurteile, kratzt beharrlich an fest getackerten Deutungsmustern, zeigt auf hinterhältig-heitere und kurios-komische Weise, dass es sich lohnt weiterzumachen, trotz Krise und Katastrophe, apokalyptischem Geraune und populistischer Propaganda. Die Welt ist schillernder und vielfältiger, als wir sie uns mit unserem simplen Schubladendenken ausmalen, die Menschen widersprüchlicher und liebenswerter als wir uns eingestehen, wenn wir mit unserem Schwarz-weiß-Denken Freund und Freund von einander scheiden und uns den Kontakt und das Gespräch mit Leuten ersparen, die anders ticken und denken als wir.
Von Frank Dietschreit/RND
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