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Die schönsten Jogging-Strecken + Marrokanisch in Leipzig + Ein Laden nur für Schachteln

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Dieser Newsletter erreicht Sie ausnahmsweise einen Tag früher als gewo
LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Dieser Newsletter erreicht Sie ausnahmsweise einen Tag früher als gewohnt - wir möchten Ihnen die Möglichkeit geben, den heutigen Feiertag (und vielleicht ja ein langes Wochenende?) optimal zu nutzen. Ich tippe diese Zeilen am Vorabend, gerade eben habe ich das Leipzig-Update verschickt, den täglichen LVZ-Newsletter mit den wichtigsten Infos des Tages (hier können Sie sich dafür anmelden). Darin habe ich den Lesern gebeichtet, dass ich gestern bei der Pressekonferenz der Bundeskanzlerin zur aktuellen Corona-Lage zum ersten Mal in diesem November-Lockdown ein richtiges Tief hatte. Ich bin gerade nach Leipzig gezogen - bisher habe ich zwar hier gearbeitet, aber zur Hälfte in Berlin gewohnt, also vor allem an den Wochenenden und an langen Homeoffice-Lockdown-Tagen. Nun bin ich hier und prompt sagt die Bundeskanzlerin im Fernsehen, dass ich eigentlich nichts machen soll. Ausgehen kann man nicht, den ÖPNV nutzen soll man nicht und treffen darf man demnächst auch nur noch einen festen Haushalt. Romantik 2020 ist, wenn jemand Sie fragt: “Möchtest du mein fester Haushalt sein?”.
Es bleiben mir nicht viele Optionen, um diese Stadt im Pandemie-Herbst und Winter kennenzulernen. Da ich auch keine begeisterte Radfahrerin bin, eigentlich nur eine: Spaziergänge. Das immerhin mache ich gern und vor allem: gern allein. Mit der richtigen Musik im Ohr kann ich stundenlang vor mich hingehen. Die ideale Möglichkeit, um den Lockdown zu vergessen und viel von Leipzig zu sehen. Mein Kollege Thomas Lieb hat Ihnen in der vergangenen Ausgabe schon zwei der schönsten Spazierrouten in der Stadt vorgestellt, die unsere Reporterin Lisa Schliep zusammengetragen hat. Ich stelle Ihnen in dieser Ausgabe zweit weitere vor.
Ich setze aber noch einen drauf, liebe Leserinnen und Leser - lassen sie uns joggen! Unser Kollege und Sportreporter Tilmann Kortenhaus hat sich von niemand geringerem als Marathonläufer Nic Ihlow dessen liebste Joggingstrecken in der Stadt zeigen lassen. Und keine Sorge, Tilmann hat dafür gesorgt, dass Ihlow auch Sportmuffel wie mich bei der Auswahl der Strecken berücksichtigt. Von drei bis zwölf Kilometer Strecke ist alles dabei.
Mal sehen, ob ich mich morgen dazu aufraffen kann. Gerade, das gebe ich zu, kann ich mir auch gut vorstellen, mit einem Buch auf dem Sofa zu versacken und das brandneue (gestern erschienene!) Album von AnnenMayKantereit zu hören. Just in diesem Moment singt Sänger Henning May aus meinen Lautsprechern:
“Die Tage werden länger mit jedem Tag, der vergeht. Mein Zimmer wird enger und ich weiß nicht, wie’s weitergeht. Ich glaub, Corona ist berühmter als der Mauerfall und Jesus zusammen. Dabei hat es gerade erst angefangen.”
Es wird ein langer Winter, liebe Leserinnen und Leser. Wie halten Sie den Kopf oben und die Ohren steif? Wie schalten Sie ab vom Corona-Chaos? Was machen Sie, wenn Events ausfallen und Kontakte beschränkt werden? Kurz: Wie halten Sie durch? Schreiben Sie es mir an j.grass@lvz.de - ich bin gespannt!
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser Ausgabe “frische Luft”.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Julia Grass

25 Prozent von jedem LVZ+ Abo gehen an Leipziger Kultur- und Clubszene
Fitbleiben und frische Luft schnappen: Die schönsten Jogging-Strecken

 Nic Ihlow trainiert auf verschiedenen Strecken in und um Leipzig. Foto: Dirk Knofe
Nic Ihlow trainiert auf verschiedenen Strecken in und um Leipzig. Foto: Dirk Knofe
Im “Lockdown Light” stehen viele Aktive vor der Frage: Was geht noch? Vor allem Mannschaftssportlern fehlt aktuell das Betätigungsfeld. Die einfachste Möglichkeit: Laufen. Nic Ihlow, Sieger des Leipzig-Marathons 2019, stellt fünf Laufstrecken in und um Leipzig vor, für die man kein Ausdauercrack sein muss. Hier können Sie sich die passenden Karten auf Google Maps zu den Strecken anschauen.
Strecke 1: Der klassische Dauerlauf
„Wenn ich eine lange Distanz laufen will, dann häufig entlang der Neuen Luppe“, erzählt Ihlow und ergänzt: „An dem Fluss kann man fast bis Halle laufen.“ So weit sollte es bitte nicht sein. Optimaler Zwischenstopp sei deshalb der Auensee. Von der Arena bis zu dem malerischen Gewässer, umringt von einer Schmalspureisenbahn, sind es knapp fünf Kilometer. Vom Deich lässt sich der Fluss und die Sportanlage von MoGoNo gut überblicken. Und wem die knapp 10 Kilometer nicht reichen, läuft wie Ihlow einfach noch weiter am Fluss entlang. „Ehrlich gesagt reicht mir das oft schon. Es geht immer geradeaus am Wasser entlang und irgendwann dreht man um und läuft auf der anderen Seite zurück.“
Strecke 2: Tempo oder Intervall
Ein gutes Training darf auf keinen Fall nur aus Dauerläufen bestehen. Mehrfach pro Woche trainiert Ihlow zur Zeit Intervalle. „Teilweise nur 200 Meter, aber deutlich schneller als früher“, erzählt der 25-Jährige. Nach jeder 200-Meter-Einheit im hohen Tempo folgen rund 200 Meter im langsamen Traben. So soll der Puls immer wieder in die Höhe schnellen und die Geschwindigkeit langfristig verbessert werden. Besonders wichtig dabei: „Die Strecke am Elsterbecken hat keine Ampeln und ist ein guter Rundweg - an der Arena hoch, am Cottaweg zurück.“
Strecken 3 und 4: Die Leipziger Seen
Ob mit dem Fahrrad oder mit den Laufschuhen, die Leipziger Seen sind für viele Sportler das optimale Ausflugsziel. Sowohl um den Cospudener als auch um den Markkleeberg See sind es rund 10 Kilometer. „Beide Seen waren auch in dem digitalen New-York-Marathon vergangene Woche integriert. Es ist immer wieder schön, hier zu laufen“, schwärmt Ihlow von der Strecke. Beide Laufstrecken sind durchgängig asphaltiert und die Gewässer laden zumindest im Sommer zur Abkühlung nach dem Sport ein. „Ich mag auch die Strecke um den Störmthaler See richtig gerne“, so der Marathonläufer – das sind allerdings knapp über 20 Kilometer und auch im Trainingsplan von Ihlow derzeit nicht vorgesehen.
Strecke 5: Berganläufe
„Zusätzlich zu den Intervall-Läufen trainieren wir aktuell viele Berganläufe – eigentlich immer am Fockeberg“, berichtet Ihlow aus seinem wöchentlichen Programm. Den asphaltierten Weg hoch werden auf keinen zwei Kilometern Strecke bereits über 50 Höhenmeter zurückgelegt. „Berganläufe trainieren nochmal andere Muskelgruppen“, erklärt der schnellste Läufer des vergangenen Leipzig Marathons. „Manchmal ist das Training aber echt ätzend“, fügt er hinzu.
Die schönsten Spaziergänge in Leipzig

Wenn gar nichts mehr hilft – eine Runde an die frische Luft wirkt Wunder. Den Kopf frei bekommen oder einfach Ruhe und Natur genießen – im Lockdown ist das nicht nur am Wochenende eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die LVZ hat Ideen gesammelt, wo die Lust auf Bewegung am besten gestillt wird und sich dabei ganz neue Eindrücke bieten. LVZ+ Leser können hier die dazugehörigen Google Maps Karten anschauen.
Von Süd nach West: Leipziger Auwald / 3 Stunden
Von Zwenkau im Süden bis in den tiefen Nordosten schlängelt sich Leipzigs Auwald durch die Stadt und ist maßgeblich aus den Flussläufen der Elster, Pleiße und Luppe entstanden. Es gibt viele Optionen, eines der größten Auwaldgebiete Mitteleuropas zu Fuß zu erkunden, so viel ist sicher. Diese Route führt einmal querfeldein.
Spaziergang durch den Leipziger Auwald. Foto: dpa
Spaziergang durch den Leipziger Auwald. Foto: dpa
Wo geht es los: Ein idealer Startpunkt wäre das Connewitzer Kreuz, um dann direkt, rechts die Straße hinunter, an der Paul-Gerhardt-Kirche vorbeizuziehen. Die B2 gekreuzt, befindet man sich direkt im Auwald.
Wie geht es weiter: Eigentlich folgt man lediglich dem natürlichen Flusslauf der Pleiße. Wer auf der Uferseite bleiben möchte, passiert irgendwann den Pleißemühlgraben. Alternativ ließe sich auch auf die Seite des Connewitzer Wehrs wechseln – beide Linien laufen schlussendlich auf die Galopprennbahn zu. Vorbei am Clara-Zetkin-Park geht es über die Klingerbrücke durch den Palmengarten.
Nächstes Ziel: Karl-Heine-Straße. Um dorthin zu gelangen, führt der kürzeste Weg über den barocken Felsenkeller. Angekommen an der König-Albert-Brücke geht es direkt runter zum Karl-Heine-Kanal, der bis zum Kulturhafen Riverboat Begleiter ist. Dann die Industriestraße heruntergeschlendert und noch einen Kaffee zum Mitnehmen im Jimmy Orpheus oder Röstgut bestellt – und schon geht es wieder ins Grüne mit Kurs auf die Nonnenwiese.
Damit sich kein Part der Route doppelt am besten auf den Schleußiger Weg zulaufen und mit einem beherzten Straßenseitenwechsel wieder in den Auwald. Hier am besten dem Naturlehrpad folgen, der weist den Weg zum Wildpark.
Highlight: Auwald, Clara-Zetkin-Park, Palmengarten, Nonnenwiese – es geht von Grün zu Grün durch die Stadt. Der Auwald ist zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang wert.
Von Mariannenpark bis Thekla: Die Parthe / 1-1,5 Stunden
Die Parthe ist zwar der kleinste Flusslauf der Stadt, dennoch entspinnt sich um sie herum Natur satt. Nicht zuletzt deshalb lohnt es, die Parthe mit ein wenig Zeit noch länger zu genießen – zum Beispiel auf dem markierten Parthewanderweg bis nach Beucha. Für einen Spaziergang sollte ein gemütliches Schlendern bis Thekla jedoch reichen, um ein Gefühl für die Leipziger Flussaue zu bekommen.
Am Mariannenpark geht es los auf einen Spaziergang entlang der Parte. Foto: Andre Kempner
Am Mariannenpark geht es los auf einen Spaziergang entlang der Parte. Foto: Andre Kempner
Wo geht es los: Am Südeingang des Mariannenparks, Haltestelle Stannebeinplatz. Einmal quer durch das Schönefelder Grün geht es auf der Nordseite wieder raus, vorbei an der Schwimmhalle und damit geradewegs in die Partheaue.
Wie geht es weiter: Die Wegführung ist erfrischend simpel – immer mit der Flussrichtung der Parthe. Dabei kreuzt man den im englischen Stil gehaltenen Abtnaundorfer Park, für den man das Wasser nur zu gerne kurz verlässt. Am Bahngraben Thekla kreuzt man die Gleise, um an der Kiebitzstraße, vorbei am Kleingartenverein, auf den Bagger (Naturbad Nordost) zuzusteuern.
Highlight: Der Teich mit kleiner Insel und Tempel im Abtnaundorfer Park – Kunst trifft Natur.
Neu in Leipzig: Diese Läden haben im Oktober eröffnet

Es ist der Traum vom Café oder der Werkstatt in der gemütlichen Nebenstraße, dem der ein oder andere schon einmal hinterher hing – „einen eigenen Laden haben“. Der Traum, der nicht selten mehr als ein Hirngespinst bleibt. Die (Wahl-)Leipziger, die die LVZ in der Serie „Neu in der Stadt“ jeden Monat vorstellt, haben auf Worte Taten folgen lassen. (Sie sind auch neu in der Stadt oder kennen einen neuen Laden? Schreiben Sie Lisa an l.schliep@lvz.de)
Zärtlichkeiten mit Freunden: Zwischenfisch im Tapetenwerk
Kunst trifft Kaffee: Anja Biemann hat im Tapetenwerk das Café „Zwischenfisch“ aufgemacht. Foto: Lisa Schliep
Kunst trifft Kaffee: Anja Biemann hat im Tapetenwerk das Café „Zwischenfisch“ aufgemacht. Foto: Lisa Schliep
Anja Biemann kennt das Tapetenwerk sehr gut. Immerhin hat sie, bevor sie mit ihrer eigenen Geschäftsidee um die Ecke kam, selbst dort gearbeitet – mitunter sogar im selben Raum, den sie nun mit ihrem Konzept wiederbelebt hat. Zwischenfisch ist ein Ineinanderfließen von Galerie und Café. Für Anja eine Art logische Konsequenz inmitten eines Umfeldes, das etliche Kreative beheimatet.
„Die Kunstpräsenz ist einfach da. Es ist deshalb eine schöne Gelegenheit Künstlerinnen und Künstler, die mitunter keine eigene Ausstellungsfläche haben, einen Raum zu bieten“, sagt Anja. Kaffee und Kuchen inklusive – natürlich für alle. Beim Ausbau ihres Ladens haben viele Freunde und Bekannte aus dem Tapetenwerk aktiv mitangepackt. Die Tischlerei von nebenan zum Beispiel baute ihre Inneneinrichtung. „Alle haben sich gefreut, dass sich jemand dieses Raumes annimmt und einen Treffpunkt schafft.
Auf das Netzwerk, das auf dem Areal in der Lützner Straße entstanden ist, sagt Anja, könne man sich verlassen. Man kennt sich, man hilft sich. Inzwischen hat sie zusätzlich zum Tagesbetrieb den „Langen Donnerstag“ eingeführt (17 bis 21 Uhr), an dem sie je nach Temperatur und Saison auf den großen Freisitz im Innenhof des Tapetenwerks lädt.
Aktuell an der Feuerschale bei Focaccia und Minestrone – wäre da nicht der coronabedingte Lockdown. Außerdem organisiert Anja seit längerem den kleinen, aber feinen Tapetenwerk-Flohmarkt, der immer am 1. Samstag des Monats stattfindet. Ihr ist es wichtig, Situationen zu kreieren, zu denen alle zusammen kommen. Namensgeber für den Laden ist im übrigen ein Musiker der sächsischen Band Zärtlichkeiten mit Freunden. Anja ist Fan.
Lützner Straße 91, Haus K (Erdgeschoss), regulär Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, im Lockdown: Außer-Haus-Verkauf Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr
Wedding Queen und Bridal Shower: Schachteltante

Kreative Ideen für einen besonderen Tag: Laura Gebhardt möchte mit „Schachteltante“ Hochzeitspaaren das Leben ein wenig leichter machen. Foto: Anne-Katrin Hutschenreuter
Kreative Ideen für einen besonderen Tag: Laura Gebhardt möchte mit „Schachteltante“ Hochzeitspaaren das Leben ein wenig leichter machen. Foto: Anne-Katrin Hutschenreuter
Unter dem Namen „Schachteltante“ erleichtert Laura Gebhardt seit ein paar Wochen das Leben aller Bräute und Trauzeuginnen, denen es an Zeit und kreativen Ideen für die Hochzeitsorganisation mangelt. „Ich war selbst vor zweieinhalb Jahren Trauzeugin und hatte bis dahin keinerlei Erfahrungen mit Hochzeiten. Als es darum ging, einen Junggesellinnenabschied mit 15 unterschiedlichen Frauen zu organisieren, die – wie ich – keine Lust auf den klassischen Bauchladen hatten, war das für mich eine ganz schöne Herausforderung“, erinnert sich Laura.
Statt den Kopf in den Sand zu stecken, wurde die Berlinerin aber kreativ: Ihr organisierter Junggesellinnenabschied unter dem Motto „Wedding Queen“ sorgte damals bei allen Teilnehmerinnen für Begeisterung. Es dauerte nicht lange, bis weitere Anfragen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bei Laura eintrudelten. Daraufhin entwickelte die gelernte Architektin erste Spiele und Accessoires, die den Bräuten und Trauzeuginnen etwas Druck bei der Planung der Events abnehmen sollten.
Obwohl Lauras Fanclub stetig wuchs, brachte sie erst eine Kollegin dazu, das Ganze professionell anzugehen. Kurz darauf konzipierte Laura ihre ersten Motto-Schachteln. In ihrem liebevoll dekorierten Geschäft in der Härtelstraße stehen aktuell neben „Time Machine”, „Brideval”, „Wedding Queen” und „Bridal Shower” für die Frauen auch zwei Motto-Schachteln für Bräutigame zur Auswahl. Darin verbergen sich zum Beispiel Spiele wie „Braut-Tabu“ oder „Stadt Land Braut“, Schnitzeljagden, Check-Listen, Blumenkränze, Tattoos oder Schuhsticker.
Jede Schachtel und jedes Produkt entspringt Lauras Fantasie. „Ich stecke in das Projekt meine ganze Liebe.“ Wer in ihrem Laden steht, spürt das. Und sollte das Geschäft wider Erwarten irgendwann doch nicht mehr laufen, besitzt die Gründerin sogar schon einen Plan B: „Dann wird das hier eine Kneipe namens Alte Schachtel.“
Härtelstraße 4, Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag 12 bis 16 Uhr, www.schachteltante.com
Den Leipziger Westen beerbt: Habibi Funk 2

Hassan Lagzouli und seine Frau Karoline Roscher-Lagzouli haben auf der Karli einen Ableger von ihrem Bistro „Habibi Funk“ im Leipziger Westen eröffnet. Foto: Lisa Schliep
Hassan Lagzouli und seine Frau Karoline Roscher-Lagzouli haben auf der Karli einen Ableger von ihrem Bistro „Habibi Funk“ im Leipziger Westen eröffnet. Foto: Lisa Schliep
Wenn man das Geschäft Habibi Funk von Hassan Lagzouli in der Zschocherschen Straße betritt, fällt sofort eines auf: die Musik. Sie begleitet einen beim Warten, beim Schlemmen, auf dem Weg nach Hause. Seit knapp anderthalb Jahren hat er sein Bistro auf der verkehrsreichen Ecke im Westen der Stadt. Das leuchtende Graffiti auf der Hauswand schreit den Namen des Ladens in das sonst eher Grau in Grau.
Dort, wo er sein Glück mit marokkanischen Sandwiches versucht, sind andere vor ihm schon gescheitert. „Der Standort ist schwierig. Hier gibt es einfach keine Laufkundschaft, die Leute müssen uns zum Ziel haben“, sagt Hassan. Gerade wenn man neu ist, ist das schwierig.
Doch die Leipziger sind gekommen. Sogar aus allen erdenklichen Ecken der Stadt. Abseits des West-Publikums hat er seine treusten Kunden im Leipziger Süden – die Geburtsstunde vom Habibi Funk 2, das seit einigen Wochen auf der Karli ein Zuhause gefunden hat und von Hassans Frau Karoline geführt wird.
Das Konzept: Gleiche Qualität und gleicher Wohlfühlfaktor wie im Laden auf der Zschocherschen Straße. „Wir wollen ein Wohnzimmer sein. Die Leute sollen nicht einfach nur essen und wieder gehen.“ Er möchte die Nähe zu seinen Kunden, Gespräche und Offenheit. „Menschlichkeit“, die er in vergangenen Jobs in der Gastronomie vermisst hat.
Karl-Liebknecht-Straße 114, Montag bis Sonntag 10 bis 22 Uhr, im Lockdown: Liefer- und Abholservice
Zum Anhören: „12“ von AnnenMayKantereit

Das neue Album "12" der Band AnnenMayKantereit erscheint am 17. November. Foto: Martin Lamberty/Check Your Head
Das neue Album "12" der Band AnnenMayKantereit erscheint am 17. November. Foto: Martin Lamberty/Check Your Head
Vier Jahre auf der Überholspur - und dann die Vollbremsung durch ein Virus: Die Kölner Band AnnenMayKantereit hat eine Zeit der Extreme hinter sich und verarbeitet ihre Eindrücke nun auf dem kurzfristig erschienenen Album „12“. Die dritte Studioplatte des Deutschpop-Trios nach dem Durchbruch mit „Alles nix Konkretes“ (2016) und dem ähnlich erfolgreichen „Schlagschatten“ (2018) enthält 16 Lieder und Sprechgesang-Skizzen voller Gefühl - und auch Frust.
„So wie es war, so wird es nie wieder sein“, singt Henning May, dessen tiefe, raue Stimme einen besonderen Reiz des AMK-Sounds ausmacht, im zweiten Stück. Später, im Lied „Gegenwartsbewältigung“, behauptet der 28-Jährige: „Ich glaub’, Corona ist berühmter als der Mauerfall und Jesus zusammen.“ Besonders das erste Drittel von „12“ ist sehr melancholisch und düster ausgefallen, später hellt sich die Stimmung zumindest zeitweise auf. Das politischste Lied jenseits der Corona-Thematik heißt „Die letzte Ballade“, mit Bezügen zu den rassistischen Morden von Hanau und dem neuen Rechtsextremismus.
„Es ist ein Album aus dem Lockdown. Ein Album, das unter Schock entstanden ist“, schreiben Sänger May, Gitarrist Christopher Annen und Schlagzeuger Severin Kantereit in einem sehr persönlichen Text zu „12“. „Für uns hat es immer drei Teile gehabt – den düsteren Beginn, das Aufatmen danach und die süß-bittere Wahrheit zum Schluss.“
Deswegen gibt das Trio seinen Hörern eine Art Betriebsanleitung mit: „Wir wünschen uns, dass dieses Album am Stück gehört wird. Die Reihenfolge der Lieder hat für uns Bedeutung, und wer so großzügig ist, sich das Album auch in dieser Reihenfolge anzuhören, hat einen gepolsterten Sitzplatz in der Mehrzweckhalle unserer Herzen.“
Man merkt manchen der von Piano und Gitarre dominierten Lieder die Verunsicherung an, mit der die 2011 als Straßenmusiker gestartete Songwriter-Pop-Band auf den Corona-Schock reagierte: „Wir hatten die Hamburger Trabrennbahn ausverkauft, waren für Festivals gebucht, wir wollten nach St. Petersburg und Istanbul… Und dann – Zack.“
Nun kommt „12“ - nach zwei Top-drei-Alben in Deutschland und Österreich sowie vielen Kritiker-Auszeichnungen seit 2016 - ausgerechnet in einer zweiten Lockdown-Phase heraus. Immerhin: Man hat jetzt viel Zeit zum genauen Zuhören. Und das lohnt sich auch bei dieser Platte von AnnenMayKantereit wieder.
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