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Comeback des Fichtelbergs ++ Kultur, Sport & Co öffnen wieder

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LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
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Liebe Frische-Luft-Freundinnen und -Freunde,
wie ist es gerade um Ihre Stimmung bestellt? Wenn ich mich dieser Tage umhöre, scheint mir, in Leipzig und Sachsen bewegen wir uns momentan zwischen Vorsicht und Hoffnung.
Denn immerhin: Das Leben ist zurück. Also, ein bisschen. In einigen Bereichen. Theater, Kino, Sport und etwas ausschweifendere Restaurant-Besuche sind wieder möglich - unter 2G plus. Und nach 22 Monaten gab es am Wochenende auch ein sächsisches Wintersport-Comeback: Skifahren auf dem Fichtelberg. Wie sich diese Abfahrt momentan anfühlt, hat ein Johannes David für Sie getestet.
Nun ist es zeitgleich so, dass die Omikron-Fälle auch in Sachsen zunehmen und die Neuinfektionen in anderen Teilen Deutschlands deutlich steigen. Auf Abstand, Hygienemaßnahmen und Co. können wir deswegen noch lange nicht verzichten. Und zusammen mit den grauen Januartagen fällt es manchmal schwer, die Lockerungen ganz unbeschwert zu genießen - zumindest geht es mir so.
Das Gute: Rausgehen ist fast immer möglich und bleibt ein Mittel, um einen freien Kopf zu bekommen. Schaffen Sie es heute bis 16.39 Uhr? Erst dann geht die Sonne unter.
In diesem Sinne: Halten Sie durch - und raus an die frische Luft!
Ihre Josephine Heinze

Zurück auf dem Fichtelberg

Am 15. Januar wurde erstmals seit zwei Jahren die Skisaison auf dem Fichtelberg eröffnet. (Bild: imago)
Am 15. Januar wurde erstmals seit zwei Jahren die Skisaison auf dem Fichtelberg eröffnet. (Bild: imago)
Hauchdünn und unsichtbar liegt die Gefahr auf dem Asphalt. Blitzeis überzieht an diesem Morgen die Straßen von Oberwiesenthal. Eine seltsam passende Laune der Natur. Schließlich weht seit knapp zwei Jahren eine unsichtbare Gefahr durch die Luft. Auf den Tag genau vor 22 Monaten hat Tom Häckel in seinem Sportshop an der Schwebebahn zum letzten Mal ein paar Ski verliehen. „Humor ist das, was als letztes übrig bleibt“, sagt er und lacht. Nach der nicht enden wollenden Zwangspause darf das Skigebiet am Fichtelberg direkt vor seiner Haustür wieder öffnen.
Der befürchtete Ansturm gleicht eher einer sanften Brise. „Es ist gut so, überschaubar. Sonst wird es unkontrollierbar und sie machen wieder dicht“, sagt Häckel. Über allen Köpfen und jedem Gespräch schwebt die Corona-Pandemie. So vieles ist ganz anders als gewohnt. Auf die Piste und in die Gondel darf nur, wer geimpft oder genesen ist. An zwei Kassenhäuschen werden die 2G-Nachweise kontrolliert. Nach gut 20 Minuten Wartezeit beschert ein goldenes Armband den Eintritt ins Gipfelglück.
Saisonstart quasi über Nacht – nur ein Teil der Pisten geöffnet
Auf den Abfahrten herrschen nahezu traumhafte Bedingungen. Wenig Verkehr, gepaart mit Sonnenschein und Temperaturen um die null Grad. In den vergangenen Tagen liefen die Schneekanonen heiß. Trotzdem ist nur ein Teil der Pisten geöffnet. Mehr ging auf die Schnelle nicht. Auf den umliegenden Wiesen und Feldern lugen erdig braune Flecken hervor.
Spazieren, rodeln, Ski und Snowboard. (Bild: dpa)
Spazieren, rodeln, Ski und Snowboard. (Bild: dpa)
Das schert an diesem Samstag kaum jemanden. Schließlich lebt und stirbt der Ort mit dem Tourismus. „Über 90 Prozent der Einnahmen kommen in der Stadt aus dem Tourismus. Die Lage ist existenzbedrohend. Die Öffnung gibt Hoffnung, unser Minus zumindest etwas einzuschränken“, sagt Oberwiesenthals Bürgermeister Jens Benedict (Bürgerbündnis Wiesenthal). Normalerweise sei man von Dezember bis Ende Februar nah dran an der 100-prozentigen Auslastung der knapp 6000 Gästebetten. „Das holen wir natürlich jetzt nicht mehr raus.“
Gastronomie und Herbergsbetriebe hadern mit 2G-Regeln
Lange Zeit fast zum Nichtstun verdammt waren auch viele Gastronomen. Ohne Übernachtungsgäste blieben nur ein paar versprengte Tagestouristen übrig. „Wir hatten nur an den Wochenenden auf, haben vielleicht ein Viertel des sonstiges Umsatzes gemacht. Wir haben es hauptsächlich für die Leute gemacht, die hier hochkommen. Wir durften ja nicht mal Glühwein verkaufen“, erzählt eine Kellnerin. Und im Gehen flüstert sie noch. „Ham wer aber trotzdem gemacht.“
In ihrer Stimme liegt eine Mischung aus Verzweiflung, Dreistigkeit und einer Spur Neid. Erst recht, wenn der Blick zu den Nachbarn schweift. Die Grenze liegt nur ein paar Schwünge entfernt. Am Keilberg in Tschechien erleben sie eine ganz normale Skisaison, als gäbe es keine Pandemie mehr. „2G und der ganze Quatsch, das interessiert dort keinen“, sagt ein Vermieter von Ferienwohnungen. Die vergangenen fast zwei Jahre haben Wunden hinterlassen, tiefe Wunden.
Am Fuße des Fichtelberges gibt es einen Kontrollpunkt zur 2G-Regelung.(Bild: dpa)
Am Fuße des Fichtelberges gibt es einen Kontrollpunkt zur 2G-Regelung.(Bild: dpa)
Und in der Tat: Beim abendlichen Spaziergang hinüber ins Nachbarland bemerkt man womöglich erst im Restaurant, dass man in Tschechien ist. Nicht nur, weil die Speisekarte in Kronen ausgewiesen ist. G-Nachweise? Maskenpflicht? Abstand? Uninteressant.
Bürgermeister Benedict sitzt angesichts der Situation zwischen den Stühlen: „Die Auflagen sind egal, wichtig ist, dass wir überhaupt öffnen können. Natürlich ist die Situation an sich ein großes Problem, aber Corona zu leugnen, ist sicher keine Alternative“, sagt der 33-Jährige. Die Landespolitik macht es ihm und vielen anderen Kommunalpolitikern aber auch nicht gerade leicht.
Ministerin Klepsch blickt zuversichtlich auf die Saison
Noch im September überbrachte Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) ganz andere, freudige Kunde. 200.000 Euro Fördergeld für die Fichtelberg-Schwebebahn GmbH und den Satz: „Ich blicke mit voller Zuversicht auf die kommende Skisaison in Oberwiesenthal. Die kommende Saison sollte bei hoffentlich reichlich Schnee wieder einen erfolgreichen Skibetrieb ermöglichen.“ Inzwischen ist die Zuversicht mal wieder vom Corona-Virus eingeholt worden. Und die Summe erweist sich als eine Schneeflocke auf dem heißen Stein, wenn man bedenkt, dass es 150.000 Euro kostet, um das Skigebiet einmal komplett zu beschneien.
Wintersportler auf einem Lift auf dem Fichtelberg. (Bild: dpa)
Wintersportler auf einem Lift auf dem Fichtelberg. (Bild: dpa)
Wegen anderer offizieller Zahlen der Staatsregierung hat sich die Region einstweilen einen fragwürdigen Ruf erarbeitet. Die sachsenweit niedrigste Impfquote (47,9 Prozent). Und obwohl der Erzgebirgskreis mit 337.000 Menschen nur etwas mehr als die Hälfte der Einwohner Leipzigs zählt, sind doppelt so viele Menschen an oder mit Corona gestorben: 1434. Dafür stimmen ungewöhnlich viele in den Chor der Impfskeptiker, Querdenker und Corona-Leugner ein. Wie begegnet man diesen Widersprüchen? „Wir sind hier in Oberwiesenthal zwangsläufig etwas internationaler ausgerichtet als viele andere Orte im Kreis. Aber natürlich ist 2G insgesamt schwierig angesichts der Impfquote, weil es viele Menschen ausschließt“, sagt Jens Benedict.
Doch alle verbalen Pirouetten auf der Suche nach der früheren Normalität enden bei der unsichtbaren Gefahr und mit der Einsicht: Was man auch tut, es wird ein Restrisiko bleiben. Auf den mit Blitzeis überzogenen Straßen von Oberwiesenthal gibt an diesem Tag jedenfalls niemand Vollgas. Man möchte schließlich nicht sehenden Auges ins Unglück rasen.
Johannes David
Gohliser Klassiker im Schaarschmidts

Gibt es etwas zu feiern, darf alles eine Nummer größer, üppiger, schöner sein. Doch nicht nur dann geht Werner Schaarschmidts Restaurant als „gute Stube“ von Gohlis durch. Das Ambiente der drei Gasträume spricht für sich: Kissen auf den Bänken, Dekoration, historisches Spielzeug, Nippes und Bücher, Musikinstrumente, Fotos und Bilder soweit das Auge reicht.
Jeder Gast wird begrüßt und bei der Auswahl der Plätze, Speisen und Getränke beraten. Hat man einen Wunsch ist jemand in der Nähe, hat man gerade keinen, stört auch niemand.
Traditionelles aus der Küche
Auf der großen Tafel, die allen Neuankömmlingen zur Seite gestellt wird, stehen Gerichte, die es hier schon vor mehr als 20 Jahren gab – zum Beispiel Zanderfilet, sächsischen Hasenbraten mit Wickelklößen oder die Gohliser Guller, die als „hübsche Überraschung, heiß & kalt“ inzwischen nur noch Gäste überraschen dürfte, die zum ersten Mal einkehren. Sei’s drum – warum sollte die Küche Gerichte streichen, die immer wieder nachgefragt werden?
Vollgepackt und gemütlich. (Bild: André Kempner)
Vollgepackt und gemütlich. (Bild: André Kempner)
Der Start ist eine Waldpilzsuppe, die ein kräftiges, typisches Aroma verströmt. Für den Hauptgang hatte ich mich schon für das Zanderfilet mit Wildbrokkoli und Mandeln entschieden, dann aber doch Lammrücken mit Keniabohnen und spanischen Kartoffeln entdeckt. So kam ich in den Genuss eines langsam saftig-rosa gegarten Stücks vom Lamm nebst grünen Bohnen und halbierten, in der Schale gegarten und kurz in der Pfanne geschwenkten Knollen. Dazu gab es keine dicke Sauce, sondern einen leichten, dezent mit Thymian gewürzten, konzentrierten Fleischsaft.
Auf den Punkt gebraten kam auch eine Gänsebrust aus dem Ofen direkt auf den weiß gedeckten Tisch, knusprig die Haut, das Fett gut ausgebraten, klassisch mit Apfelrotkohl und Hüllerle serviert. Die Bezeichnung für die Klöße hat der Hausherr aus Thüringen eingeführt.
Klassiker im Schaarschmidts in Gohlis. (Bild: Petra Mewes)
Klassiker im Schaarschmidts in Gohlis. (Bild: Petra Mewes)
Vom ausgezeichneten Essen lenkt nur ab, wenn in der Nähe sitzende Gäste, es müssen mindestens zwei sein, Hirschrückenfilet bestellen. Dann zeigt sich, dass die Crew im Zusammenspiel zwischen Küche und Service scheinbar störungsfrei agiert.
Der Kellner, man ist fast geneigt ihn als „Herr Ober“ anzusprechen, läuft zur Hochform auf: Er stellt ein Pfännchen und die Gin-Flasche auf den Servicetisch, flambiert mit geübten Griffen das Fleisch, verteilt es auf die in der Küche mit Waldpilzen und Buttermilchgetzen vorbereiteten Teller und fügt sorgsam ein „Beerensößchen“ hinzu. Den Aufwand betreibt heute kaum mehr ein Lokal am Platz. Hier kann das Personal zeigen, was es einst gelernt hat.
Im Schaarschmidts gibt es Klassiker wie vor 20 Jahren. (Bild: André Kempner)
Im Schaarschmidts gibt es Klassiker wie vor 20 Jahren. (Bild: André Kempner)
Ebenso ins Konzept passen die Getränke, darunter alkoholfreie, verschiedene Sorten sächsischer Biere oder wohl mehr als 100 Weine aus Sachsen (Goldriesling, Elbling), von Saale-Unstrut und aus der ganzen Welt, detailreich aufgelistet in der schwergewichtigen Weinkarte.
Übrigens hat am Nachbartisch eine Familie mit drei Kindern Platz genommen, denen der Küchenchef mit Spaghetti Bolognese wohl eine Freude machen will. Aber dazu sind sie nicht hergekommen: Die zwei Kleinen teilen sich eine Portion Zander, die Große wählt Rinderroulade mit Rosenkohl und Wickelklößen. Es muss den Köchen doch Freude machen, den Nachwuchs so schlemmen zu sehen!
Von Petra Mewes
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