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Ausflug in einen Skulpturengarten am Ende der Welt + Kostenloser Kinobesuch

LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
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Liebe Leserinnen liebe Leser,
es gibt sie noch, die Orte, die kaum jemand kennt, die man nur schwerlich erreicht und an denen der Handyempfang versagt. Gut, letzteres passiert in Deutschland auch an Orten, an denen man es nicht erwartet und vor allem an viel zu vielen, aber Sie wissen schon, was ich meine: Die verwunschenen Orte, die, bei denen Sie sich fragen, ob Sie jetzt vom Weg abgekommen sind… jetzt ein Geständnis: Für mich ist das wirklich gar nichts. Ich werde nervös, sobald mein Handy nur noch “Edge” anzeigt, nach drei Stunden irgendwo in “abgeschiedener Idylle” wird mir sterbenslangweilig und wenn es nachts besonders ruhig und besonders dunkel ist, kann ich nicht schlafen. Deshalb gut für Sie, dass nicht ich, sondern mein Kollege Mark Daniel diese Woche für Sie unterwegs war - im wirklich abgeschiedenen Skulpturengarten von Jochen Bach in Plinz.
Mich holt dann doch eher Teil 2 dieses Newsletters ab - volle Biergärten und Popcorn im Sommerkino mit 200 weiteren Menschen, das ist mein Ding. Deshalb freue ich mich, wenn Sie diese Woche bis Sonntag mal im LVZ Sommerkino besuchen kommen. Mehr dazu lesen Sie unten in den Wochenend-Tipps. Für Sie als LVZ-Leserin oder LVZ-Leser ist das übrigens kostenlos!
Und nun Sie - Trubel oder Abgeschiedenheit? Was macht Ihnen mehr Spaß? Bin gespannt, von Ihnen zu hören, gern an j.grass@lvz.de.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und grüße Sie ganz herzlich
Ihre
Julia Grass

Der große Ausflug: Ans Ende der Welt

Die "Hüter des Lichts" im Skulpturengarten in Plinz. Foto: Mark Daniel
Die "Hüter des Lichts" im Skulpturengarten in Plinz. Foto: Mark Daniel
Das Ende der Welt hat einen kurzen Namen und einen langen Nachhall. Plinz liegt derart abgeschieden, dass kein Mobilfunkanbieter es geschafft hat, sein Netz bis hierhin auszuwerfen. Wer aber einmal an das Fleckchen Erde im Saale-Holzland-Kreis gelangt ist, kommt aus dem ungläubigen Staunen nicht mehr heraus – und höchstwahrscheinlich wieder. Denn der Skulpturengarten des Künstlers Jochen Bach verströmt eine geradezu unwirklich intensive Schönheit.
Die Frage, ob man nicht längst falsch ist, endet erst am Ziel. Der schmale Streifen aus Asphalt, der sich bis Plinz zieht, dient lediglich zur Abdeckung der verlegten Wasserleitung, der Rest ist Waldboden. Biegt man dann rechts in die kleine Kurve, erledigen sich alle Zweifel – die ersten Skulpturen ziehen sofort Gäste in den Kunstkosmos, den Jochen Bach hier ab den 1990ern erschaffen und immer wieder erweitert hat. Sein „Garten der Stille“ hat viele Abteilungen – märchenhafte, skurrile, mystische, zärtliche, ironische. Meist überlebensgroße Figuren bevölkern den Garten der Vögel, der Steine, der Frösche, des krummen Holzes und andere. 
Hinter Hecken, Bäumen und falschem Genitiv tragen nackte Frauen und Männer „dem Kaiser seine neuen Kleider“ und blicken fröhlich-unschuldig aus der nicht vorhandenen Wäsche. Ein Träumer betrachtet entrückt eine wohlgeformte Schönheit, eine Besuchergruppe trägt weiße Anzüge, wenige Meter weiter übt ein Punk den Handstand. Alle Szenarien sind gerahmt von bunten Blüten und einer regelrechten Chlorophyll-Explosion farbsatten Grüns.
Die Geschichte dieses einzigartigen Ortes in Thüringen wurzelt in einer seit Jahrzehnten dauernden Liebe und im Besitz eines Pferdes. Jochen, geboren 1942 in Markkleeberg, lernte als Architektur-Student in Weimar die knapp neun Jahre jüngere Gisa kennen. „Nach zehn Minuten Gespräch beim Essen in der Mensa wusste ich, dass ich dieses Mädchen heiraten würde“, sagt der 79-Jährige. Eine Unbeirrbarkeit, die auch der jungen Frau imponierte. Die beiden wurden ein Paar, und bald ein halbes Jahrhundert ist es her, dass sie ein Grundstück mit eigenem Stall für Bachs Pferd suchten. Fündig wurden sie in dem abgeschiedenen Nest bei Milda, 20 Kilometer von Jena entfernt.
Die alte Plinzmühle allerdings, erstmals im Jahr 1541 erwähnt, war Anfang der 1970er Jahre im Prinzip nur noch ein von Zement zusammengehaltener Steinhaufen. Um die Wiederbelebung zu schaffen, „musste man jung und ein bisschen verrückt sein“, sagt Gisa Bach heute lächelnd. Den Eltern zweier Kinder gelang der Kraftakt, und mit den Jahren etablierten sie eine Galerie, die zum kulturellen Treffpunkt für alle Interessenten von Malerei, Fotografie, Skulpturen und Keramik, aber auch der Kleinkunst wurde.
Parallel zur allmählichen Verwandlung des etwa dreiviertel Hektar großen Freigeländes luden die Bachs ab den 1990ern zu Veranstaltungen zwischen Lesung, Theater und Musik ein. Hier entstand ein dicker Strang nach Leipzig, der bis heute hält: Frank Oberhof wurde auf die Plinzmühle aufmerksam. Der Chef des Liedertour-Vereins, der gerade sein 30-jähriges Bestehen mit einer Gala im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses feierte, vermittelt unermüdlich und aus reinem Enthusiasmus Künstlerinnen und Künstler an Orte, an denen Herz und Seele mehr zählen als Gage. Davon lassen sich Newcomer und Etablierte gleichermaßen anstecken, unter anderem Dirk Zöllner oder Manfred Maurenbrecher. Dessen Album „Inneres Ausland“ zeigt als Cover jene Figur, die Plinz-Besucher an der Einfahrt zum Gelände sehen: das Alter Ego von Jochen Bach am Harmonium.
Jochen Bach und seine Frau Gisa inmitten der Bewohner des Skulpturengartens. Foto: Mark Daniel
Jochen Bach und seine Frau Gisa inmitten der Bewohner des Skulpturengartens. Foto: Mark Daniel
Bis hier wieder Veranstaltungen in der Galerie oder im Garten stattfinden, wird es noch dauern. „Erst muss Corona unter Kontrolle sein“, betont Bach. „Drinnen können wir die Abstände nicht halten, draußen sind wir bei Regen aufgeschmissen. Beides ist uns zu riskant.“ Dennoch ist dieser Kunstort momentan so populär wie vielleicht nie zuvor: Die Pandemie hat für eine Rückbesinnung auf inländische Orte gesorgt, und schon mehrfach rückte das Idyll der Bachs durch mediale Aufmerksamkeit in den Fokus.
Seit dem letzten Jahr wächst die Zahl der Gäste – und damit auch der Kunstwerkverkäufe, die in einer unglaublichen Stilvielfalt das Haus füllen. Sie und das Gartenparadies sind Ergebnisse der unerschöpflichen Ideen- und Kreativquelle des Jochen Bach. Das Wachstum der Kunst im Grünen ist inzwischen vollendet, weil Bach genug damit zu tun hat, die Vegetation beherrschbar zu machen, „zumal ihr der ständige Regen zusetzt und einige der übergroßen Blütendolden in die Knie zwingt“.
Ein Besuch dieser besonderen Welt lohnt sich übrigens nicht nur im Sommer. Herbst und Winter geben den Skulpturen aus Beton, Holz, Terrakotta oder Kunststoff einen anderen Ausdruck. Da bekommen die imposanten „Hüter des Lichts“ oder die in steinernen Riesen-Gesichter, die aus Bäumen starren, einen gespenstischen Anstrich. Nur die im Freien schlemmende Gesellschaft in der „Frosch-Gaststätte“ bleibt fröhlich. Niemand kann den Sieg des Frühlings über den Winter überschwänglicher feiern als sie.
„So etwas wie hier gibt es nicht noch einmal“, sagt Gisa Bach ohne Eitelkeit. Recht hat sie. Deshalb: Ab ins Vehikel, auf nach Plinz in die Traumverlorenheit, von Leipzig aus nur eineinhalb Autostunden entfernt. Und auch wenn das Navi versagt, die Straße keine richtige mehr ist und Sie sicher sind, falsch zu sein – fahren Sie unbedingt weiter!
von Mark Daniel
Galerie und Skulpturengarten Jochen Bach, Plinz 1, 07751 Milda, ca. 1,5-2 Stunden mit dem Auto
Biergartentipp: Münsters - Großzügige Gemütlichkeit

Nahe der Platnerstraße und dennoch still: der Biergarten im Münsters. Foto: Andre Kempner
Nahe der Platnerstraße und dennoch still: der Biergarten im Münsters. Foto: Andre Kempner
Nah an der Platnerstraße und doch wie in einem gemütlichen Kokon aus sattem Grün und Häuserwänden des Villenviertels erstreckt sich der mit 84 Plätzen großzügige Biergarten des Münsters – der einen bemerkenswerten Kontrast schafft: Drinnen steht absolut hochklassige Küche auf der Karte, die entsprechende Preise nach sich zieht, draußen setzt man auf Bodenständigkeit und kulinarische Deftigkeit mit Wiener im Brötchen, Leberkäse, Wurstsalat oder Kassler zu gängigen Preisen. Die vegetarische Auswahl ist kleiner, aber unter anderem durch Kartoffel-Gurken-Salat und Tomate mit Mozzarella vertreten. Umrahmt von jungen Amber-Bäumen lässt es sich hier im Gohliser Süden mit wunderbar plaudern und genießen.
Besonderheit: sehr ruhig. Bestellen kann man vorn und die Getränke gleich mitnehmen, die Speisen werden dann an die Tische gebracht.
Adresse: Platnerstraße 13, Telefon 0341 5906309
Geöffnet: Mo bis Sa 18 bis 0 Uhr. Preise: 0,5 Liter Pils ab 3,90 Euro; 0,2 Liter Mineralwasser für 2 Euro.
Was tun am Wochenende?

Sommerkino mit Popcorn: ​Die LVZ lädt zum kostenlosen Sommerkino auf dem Vorplatz im Peterssteinweg 19 ein. Der Sound kommt über spezielle Kopfhörer, die vor Ort gegen eine Pfandgebühr von 20 Euro ausgeliehen werden können. Am Freitag flimmert der Gangsterfilm „Pulp Fiction“ und am Sonnabend „Die Verlegerin“ mit den Schauspielern Meryl Streep und Tom Hanks über die Leinwand. Eine Anmeldung ist hier erforderlich – bis spätestens 17.30 Uhr am Ausstrahlungstag. Das Café Satz hält erfrischende Getränke, Snacks und auch Popcorn bereit. Beginn ist 21.30 Uhr. 
Freiluft-Theater: ​Die Künstlerinnen des Leipziger Frauenzimmertheater spielen mit Leidenschaft und List das komödiantische Stück „Ende gut, alles gut“ in Wagners Hof am Richard-Wagner-Platz 1. Karten für das Shakespeare-Stück bekommen Sie telefonisch unter 0176 294 85 677 oder per E-Mail an info@frauenzimmertheater-leipzig.de
Hommage: ​Die diesjährige Jahresausstellung ist noch bis zum 8. August in der Werkschauhalle der Spinnerei zu erleben. Vertreten sind neben der Malerei und Grafik auch die Videokunst, Installationen, Performance und Skulptur. Geöffnet am Freitag 13 bis 18 Uhr, Sonnabend 11 bis 16 Uhr und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Leipziger Baumwollspinnerei, Werkschauhalle / Halle 12, Spinnereistraße 7.
Für kleine und große Nasen: ​Im Innenhof der „Feinkost“ in der Karl-Liebknecht-Straße 36 spielt das Knalltheater am Sonntag 16 Uhr das Kindersommertheater-Stück „Popeye - der Matrose mit dem Spinat“.
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