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Wandern im Osterzgebirge oder traditionsreich speisen?

LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
Liebe Herbst-Freunde, Abenteurer, Ausflugsenthusiasten,
liebe Entdecker, Spaziergänger, Wandernde,
liebe Leserinnen und Leser.
Die Lage ist irgendwie verzwickt. Eigentlich wollen wir Ihnen mit diesem Newsletter - neben frischer Luft - auch immer etwas Leichtigkeit ins Postfach schicken. Doch momentan sind wir wieder an dem Punkt, an dem vieles ungewiss scheint. Events sollen in Sachsen bald nach dem 2G-plus-Prinzip stattfinden, Veranstalter also zusätzlich zu Genesung oder Impfung auch einen Test kontrollieren. Die Weihnachtsmarkt-Lage ist noch immer so neblig wie vergangene Woche - dabei soll es eigentlich am Dienstag losgehen, zumindest in Leipzig. Und auch Weihnachtsfeiern werden vielerorts abgesagt. Zu hoch ist das Corona-Risiko, gerade für Firmen und Betriebe.
Und doch gibt es sie, die Dinge, bei denen fast keine Infektionsgefahr besteht:
  • bei Herbstsonne durch den Park oder Wald schlendern und das am schönsten gefärbte Blatt suchen
  • einen - noch herbstlichen oder schon adventlichen - Kranz binden
  • bei Kerzenschein (für noch mehr Gemütlichkeit empfehle ich zusätzlich eine Wärmflasche) einen Podcast oder ein Hörbuch hören
  • Glühwein oder Punsch zuhause selber machen - mit frischen Orangen und Gewürzen wie Zimtstangen und Nelken
  • mit dem Fahrrad oder zu Fuß in einen noch unbekannten Stadtteil, Vor- oder Nachbarort fahren und einfach mal ohne Ziel eine neue Gegend erkunden
In jedem Fall hoffe ich, dass Ihnen zumindest unser Newsletter etwas Konstanz gibt - und vielleicht birgt er ja auch die eine oder andere Idee für die kommenden Tage.
Bleiben Sie munter!
Ihre Josephine Heinze

Ein Blick vom Osterzgebirge bis in die Lausitz

Diese aussichtsreiche Tour führt von Oelsen zum Sattelberg. Die Aussicht vom Osterzgebirge über das Elbtal hinweg bis weit in das Lausitzer Gebirge ist einfach fantastisch.
Wir starten vom Parkplatz in der Dorfmitte von Oelsen. Von hier laufen wir kurz bergab und rechts zur nahen Kirche. Der Wanderweg führt auf die Höhe. An der nächsten Kreuzung gehen wir rechts mit dem Gelben Strich und treffen am oberen Ende von Oelsen auf den Grünen Strich. Diesem folgen wir nach links und erreichen die 644 Meter hohe Oelsener Höhe. Von dem kegelförmigen Aussichtshügel bietet sich ein herrlicher Rundblick.
Nebelschwaden im Erzgebirge - auch im Herbst wandert es sich gut. Quelle: imago
Nebelschwaden im Erzgebirge - auch im Herbst wandert es sich gut. Quelle: imago
Fantastische Panoramaaussicht
Von hier führt der Schönwalder Weg weiter geradeaus und erreicht als Wiesenpfad die Grenze zu Tschechien. Hier wandern wir ein Stück nach rechts und folgen der grünen Markierung sehr aufmerksam über die Bergwiesen zum nahen Sattelberg. Am Rande der bewaldeten Kuppe müssen wir erneut einige Meter nach rechts gehen, ehe der Wanderweg in den Wald hineinführt. Wenige Meter weiter finden wir den Abzweig zum gut 723 Meter hohen Gipfel, der mit der tschechischen Markierung als Stichweg ausgewiesen ist (Grünes Dreieck).
Der deutsche Name Sattelberg wurde von seinem markanten Doppelgipfel abgeleitet, der aufgrund der Bewaldung heute weniger auffällt. Der tschechische Name „Špicák u Krásného Lesa“ ist eine Übersetzung des Namens Schönwalder Spitzberg. Das rekonstruierte Sandsteinkreuz auf den Basaltklippen ersetzt seit Oktober 2014 ein eisernes Kreuz von 2005. Das historische Steinkreuz war nach 1945 zerstört worden. Die Panoramaaussicht vom Osterzgebirge über das Elbtal hinweg bis weit in das Lausitzer Gebirge ist von hier oben einfach fantastisch!
An der Ostseite des Gipfels befand sich seit 1907 eine Gastwirtschaft, die jedoch nach 1945 verfiel. Umgeben von einigen Resten der Grundmauern befindet sich hier heute ein Rastplatz. Zurück auf dem Hauptweg verlassen wir den Wald auf der anderen Seite.
Der Wanderweg führt zum Tal des Fischbaches mit Ruine. Quelle: Frank Wehrmeister
Der Wanderweg führt zum Tal des Fischbaches mit Ruine. Quelle: Frank Wehrmeister
Die A 17 stört die Idylle
Die Naturidylle wird hier deutlich von der nahen Autobahn 17 gestört. Die markierte Wanderroute führt steil abfallend unter der Autobahn hindurch in Richtung des Dorfes Schönwald (Krásný Les). Es gibt eine (unmarkierte) Alternative: Wir verbleiben auf der Höhe und folgen im Uhrzeigersinn weiter dem einzigen Feld- und Wiesenweg in nördliche Richtung bis an den Rand des Naturschutzgebietes in Grenznähe.
Am oberen Waldrand müssen wir dann links gehen und einer Fahrspur folgen, die später in einen bergab führenden Waldweg übergeht. Dieser erreicht das Tal des Fischbaches (Rybný potok) an der Ruine einer kleinen Kapelle. Wir überqueren diesen Quellfluss der Gottleuba und gehen nun wieder mit dem Grünen Strich rechts in dem schönen Tal weiter, eine ganze Zeit parallel zur Staatsgrenze.
Die früheren Siedlungen und Mühlen sind weitgehend verschwunden oder ruinös, einerseits als Folge der Ereignisse nach 1945, andererseits bedingt durch den Talsperrenbau bei Gottleuba und die Festlegung von Schutzzonen. Letzteren wurde auch die Siedlung Oelsengrund geopfert. Von hier führt der Lappenbuschweg bis an den Ortsrand von Oelsen. Wir gehen dort kurz links und erreichen nach gut zwölf Kilometern das Tagesziel.
DNN-Wandertipps - Google My Maps
Hinweise: Wanderkarte Nr. 17, Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz von Sachsen Kartographie Dresden (enthält auch Alternativroute), ggf. Wanderkarte Sachsen, Blatt 44, Kurort Berggießhübel/Kurort Bad Gottleuba oder Topographische Karte Sächsisch-Böhmische Schweiz (beide Vertrieb durch den Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen, Olbrichtplatz 3, 01099 Dresden, Tel. (0351) 8283-0).
Tradition auf dem Landgasthof

Podelwitz vor den Toren der Stadt. Wer sich auf den Weg macht, hat meist nur ein Ziel: den Landgasthof. Die Nachfrage ließ den kleinen Familienbetrieb Anfang der 1990er aus den Nähten platzen. Grund für einen Anbau. Danach hatte ich mit diesem Ausflugsziel so meine Probleme: So gläsern und groß der Anbau, so modern angepasst auf einmal das Angebot. Cordon Bleu statt Bauernfrühstück. Ein eher zufälliger Besuch im letzten Sommer im idyllischen Hof stimmte versöhnlich. Also auf nach Podelwitz, jetzt, wo die Tage wieder kürzer, die Temperaturen kälter werden. Auf der B 184 Richtung Delitzsch am Abzweig zum Dorf rechts abgebogen lässt sich das Fachwerkhaus, im 16. Jahrhundert gebaut,1813 als Gosenausspanne erwähnt und seit 1902 in Familienbesitz, kaum verfehlen.
Die Gasträume bieten Winterquartier für Grünpflanzen aus dem Garten. Zudem hat die Familie um Winfried Wilke rustikale Möbel und Bauernschränke, Bücherregale und Dekorationen platziert. Unter das Glasdach des Wintergartens, in dem wir Platz nehmen, fällt tagsüber natürliches Licht. Im Kaminofen brennt Holzfeuer. Ein Kellner stellt wie immer die große, grüne Tafel an den Tisch. Rund 30 Speisen listet sie auf, mit Kreide handgeschrieben, eine Mischung aus klassischer Landhausküche, mediterranen sowie einigen vegetarischen Gerichten. Für die Küche muss diese Fülle eine Herausforderung sein.
Urig: der Landgasthof Podelwitz. Quelle: André Kempner
Urig: der Landgasthof Podelwitz. Quelle: André Kempner
Mut zum Würzen
Bei den Vorspeisen fällt die Wahl auf Kürbiscremesuppe und Rote-Bete-Salat. Der kommt mit karamellisierter Walnuss, Schafskäse, Orangenspalten und leuchtender Kapuzinerkresse. Nach dem schönen Einstieg geht es flott weiter: Ich habe Mutzbraten bestellt, eine besondere Spezialität vom Schwein, dessen mariniertes Fleisch über Birkenholzrauch ein kräftiges Aroma erhält. Zu Sauerkraut und Klößen bitte ich um ein Schälchen Sauce extra.
Selbst geschossener Hirsch kommt auf den Teller. Quelle: Petra Mewes
Selbst geschossener Hirsch kommt auf den Teller. Quelle: Petra Mewes
Bei der Sauce zum zweiten Hauptgericht, mürbem Hirschbraten, zeigt die Küche, nun ja, Mut zum Würzen. Sie hat eine kräftige Pilznote, die allerdings eine große Prise Salz dominiert. Das Tier hat unser Kellner selbst geschossen, wie er sagt. Wer nur halbwegs Ahnung von der Jägerei hat, weiß, dass sie mit viel Verantwortung verbunden ist, um mit „Hege und Pflege, den Wald gesund zu halten.“ Wer Fleisch generell ablehnt, mag anderer Meinung sein, aber das von in freier Wildbahn aufgewachsenen Tieren ist in jedem Fall dem aus Massen- und Stalltierhaltung überlegen, ganz ohne Bio-Zertifikat.
Den aufkommenden Durst nach dem würzigen Essen spült mein Begleiter mit einer Apfelschorle weg, die, da er seine Meinung zum Essen ehrlich kundtat, aufs Haus geht. Und da wir einmal beim Plaudern sind, erfahre ich, dass es das Hälterbecken für lebende Forellen und Karpfen aus Machern noch immer gibt.
Auch der Außenbereich ist klassisch. Quelle: André Kempner
Auch der Außenbereich ist klassisch. Quelle: André Kempner
Weniger wäre mehr
Auf der zweiten Tafel mit rund zehn Desserts steht unter „Tonkabohnen Creme Brûlée von der Hafermilch“ Lukullus: Für ganze vier Euro liegen auf einem ovalen Teller zwei dicke Scheiben dieser Spezialität aus Keksen und Kakaoglasur, die in manchen Gegenden „Kalter Hund“ heißt, dazu Schokoladenschmand mit Sahne und irritierend harte, unreife Erdbeeren.
Die Getränkekarte ist umfangreich und bietet sicher ebenso für jeden Geschmack etwas, auch Döllnitzer Rittergutsgose.
Fazit: In diesem Landgasthof wird richtig gekocht und mit großen Portionen die Tradition gepflegt. Bei all‘ dem guten Willen, es jedermann recht machen zu wollen, bleibt bei mir allerdings das Gefühl, etwas weniger wäre vielleicht mehr.
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