Profil anzeigen

Fasching, Mumien und die Hoffnung auf die Weihnachtsmärkte

LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
LVZ Frische Luft - Freizeittipps für Leipzig und die Region
Helau, liebe Leserinnen und Leser!
Okay, ja, dieses Konfetti habe ich vielleicht ein wenig zu früh geworfen. Ein wenig Zeit ist noch bis 11.11 Uhr. Aber dann ist es so weit, die fünfte Jahreszeit beginnt. Vergangenes Jahr ging wegen der Pandemie wie in so vielen anderen Bereichen auch in Sachen Karneval gar nichts, dieses Jahr will zumindest Löwin Leila in Leipzig wieder den Schlüssel zur Stadt übernehmen. Auch sonst gibt es in der Region hier und da vorsichtige Pläne für Feste und Umzüge. Wie ist es bei Ihnen - freuen Sie sich auf die Faschingszeit? Oder bleibt ihr Interesse für das Thema bei den (für viele obligatorischen) Pfannkuchen stehen?
Dann haben Sie vielleicht eine Faszination für Mumien. In Dresden wird heute die Ausstellung zu einem wirklich spannenden Projekt eröffnet. Dabei sollen mehr als 2000 Jahre lang Verstummte wieder eine Stimme bekommen. Wie das funktioniert? Finden Sie es heraus und planen Sie einen Ausflug in die Landeshauptstadt.
Und auch wenn die Corona-Lage momentan eher für Ungewissheit als für gute Laune sorgt, wird es in Leipzig langsam vorweihnachtlich. Auf dem Markt steht die Tanne, Buden für den Weihnachtsmarkt werden aufgebaut. Vielleicht klappt es 2021 ja doch mit dem vorweihnachtlichen Schlendern?
In jedem Fall ist mit der Dunkelheit auch die Zeit für etwas Ruhe gekommen - nehmen Sie sich also ruhig mal eine Pause. Und zwischendurch: Immer mal eine Runde an der frischen Luft drehen!
Ihre Josephine Heinze

Wie eine Mumie ihre Stimme zurückbekommen soll

„Die Suche nach dem Sinn des Lebens angesichts der Endlichkeit allen Lebens – das ist ein unheimlich starker Antrieb für Neues“, sagt Christian Kosmas Mayer. Der in Wien lebende Künstler (45) spürt seit Jahren in immer neuen Projekten den Grenzen der Endlichkeit nach, lässt eiszeitliche Samen aus dem sibirischen Permafrost keimen, feiert die Unschärfen der Zeit.
„Die uralte Frage nach dem Sinn wird in jeder Zeit wieder neu gestellt und die Antworten darauf verändern sich auch durch die neuen technologischen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Das interessiert mich sehr“, sagt Mayer.
Was, wenn alles gesagt, getan, erlebt und gefühlt wurde?
Und zwar aus künstlerischer Sicht. Denn sie gebären immer neue, auch ethisch bedeutsame Fragen: die nach dem Umgang mit einer übervölkerten Erde, nach der Schere zwischen Arm und Reich (Wer kann sich Unsterblichkeit leisten?) und nach den eigenen Ängsten (Will man wirklich ewig leben? Womit bringt man seine Zeit rum, wenn man irgendwann alles getan, erlebt, gesagt und gefühlt hat?).
Eine Mumie im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Bild: Uwe Anspach/dpa
Eine Mumie im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Bild: Uwe Anspach/dpa
Die Schaufler-Foundation in Sindelfingen bei Stuttgart lässt mit ihrem Schaufler Lab in Dresden die gesellschaftlichen Ursachen und Folgen Künstlicher Intelligenz erforschen und will dazu Kunst mit Wissenschaft vereinen. Als „Artist in Residence“ übernahm Christian Kosmas Mayer den ersten Kunstpart, wurde 2020 Stipendiat des Projekts an der TU.
Dafür entwickelte Mayer eine Idee, die sich mit körperlicher Konservierung beschäftigt und dabei tief in die Vergangenheit weist. „Ich will mit Hilfe neuester Technologie die Stimme einer Mumie wieder zum Klingen bringen. Ein Klang, der seit 2000 Jahren schweigt, und der doch annäherungsweise rekonstruierbar sein sollte, da der Körper noch bei uns ist“.
Die Mumien von Mannheim
Mayer wandte sich an die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Das dortige German Mummy Project, betreut von Generaldirektor Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, gehört zu den spektakulärsten Mumienforschungsprojekten weltweit. Die 19 Mumien aus verschiedenen Zeiten und Kulturen sowie höchst unterschiedlicher Provenienz waren 2004 bei Umstrukturierungen der Depots „wiederentdeckt“ und bis ins Kleinste auch mittels Computer- und Magnetresonanztomografie untersucht worden.
Die von TU Dresden-Forschern gebaute Zunge, mit deren Hilfe die Stimme der Mumie erklingen soll. Bild: Adrian Sauer
Die von TU Dresden-Forschern gebaute Zunge, mit deren Hilfe die Stimme der Mumie erklingen soll. Bild: Adrian Sauer
Christian Kosmas Mayer nahm Kontakt zu Professor Rosendahl auf: „Er hatte Röntgenaufnahmen und Scans von den Mumien, die ich für die Umsetzung meiner Idee benötigte. Natürlich haben wir in dem Zusammenhang auch ethische Fragen besprochen – schließlich wurden Mumien lange Zeit nicht wie tote Menschen behandelt, sondern sogar zur Gewinnung von Farbpigmenten genutzt. Die Mannheimer haben sich eine neue Agenda zum respektvollen Umgang mit den Jahrtausende alten Körpern gegeben. Mir war wichtig, dass auch mein Projekt diese ethischen Vorgaben einhält.“
Ein kleiner Mann aus Ägypten
Mayer suchte gemeinsam mit einer Röntgenexpertin die Unterlagen durch und fand schließlich eine circa 2000 Jahre alte Mumie, deren Vokaltrakt gut erhalten schien.
Es handelt sich um einen relativ kleinen, bei seinem Tod zwischen 35 und 45 Jahre alten Mann aus Ägypten, dessen mumifizierten Kopf das Museum als Schenkung aus einer Privatsammlung erhalten hatte. Weitere Angaben zur Provenienz gibt es bislang nicht.
Die Pionierarbeit der Dresdner
Um nun mit den Daten tatsächlich etwas anfangen zu können, holte sich Christian Kosmas Mayer – ganz im Sinne des Schaufler Lab – Hilfe von der Wissenschaft. Er klopfte an bei den Sprachakustikern der TU Dresden – genauer bei Peter Birkholz, Professor für Sprachtechnologie und Kognitive Systeme am Institut für Akustik und Sprachkommunikation, sowie dessen Doktoranden Patrick Häsner.
Christian Kosmas Mayer und TU-Akustik-Professor Peter Birkholz . Bild: Adrian Sauer
Christian Kosmas Mayer und TU-Akustik-Professor Peter Birkholz . Bild: Adrian Sauer
Die haben sich ins Zeug gelegt. „Wir müssen vorausschicken, dass eine Frist von fünf Monaten für so ein Vorhaben extrem kurz ist. Dafür allerdings sind wir erstaunlich weit gekommen“, bilanziert Peter Birkholz die Tage und Wochen, in denen er mit Christian Kosmas Mayer, Patrick Häsner und einer kleinen Gruppe Studierender höchst „analoge Feldforschung“ betrieben hat.
Die fluidische Zunge aus Dresden
Um dem Klang der Stimme näherzukommen, wurde zunächst anhand der vorhandenen Daten der Vokaltrakt der Mumie, vom Kehlkopf bis zum Mund, im 3D-Druck-Verfahren nachgebaut. Doch um zu einem möglichst authentischen Klang zu kommen, mussten auch bewegliche Weichteile in dieses Modell integriert werden. Schon länger schwebte dem Sprachakustik-Professor für Untersuchungen zur Sprachbildung eine „weiche fluidische Zunge“ vor.
Entstanden ist ein aus drei Kammern bestehendes Silikongebilde, das sie für die Tests über Spritzen mit unterschiedlichen Mengen Wasser befüllten. „Weil wir wissen, wo bei einer bestimmten Stellung der Zunge im Rachen die Vokale entstehen, haben wir versucht, das nachzubilden“, erklärt er das Vorgehen. Nicht schwer, sich vorzustellen, wie viele Versuche nötig waren für ein „A“ oder ein „I“. Diese beiden Laute – und einige dazwischen – hat das Vokaltrakt-Modell hervorgebracht, nachdem es mit einem schwingenden Signal aus einer Art Pfeife oder über Stimmlippen aus Silikon akustisch angeregt wurde.
Großes Potenzial die Zukunft
„Ein richtiges ,U’ ist uns noch nicht gelungen“, sagt Peter Birkholz. Er sagt es nicht niedergeschlagen. Denn schon in diesem frühen Pilotstadium sieht er Potenzial für mehr: „Natürlich ist das noch lange, lange nicht perfekt. Aber auf die Weise hat man das vorher noch nicht gemacht! Und deshalb wollen wir es Anfang März in Sonderborg (Dänemark) auf einer Fachkonferenz vorstellen.“
Eine ägyptische Frauenmumie im CT-Untersuchungen. Bild: Manfred Rinderspacher/dpa
Eine ägyptische Frauenmumie im CT-Untersuchungen. Bild: Manfred Rinderspacher/dpa
Nützlich sein könne so eine bewegliche fluidische Zunge für künftige Experimente zur Sprachproduktion, „wo wir an allen Stellen des Vokaltrakts mit Sonden und Mikrofonen messen und überwachen können, was passiert“, erklärt Birkholz. Das sei am Menschen so schlicht nicht möglich – man stelle sich nur ein Mikro im Kehlkopfbereich vor …
Forschung zum Erwerb von Sprache
Außerdem verspreche er sich Nutzen für die Forschungen zum Spracherwerb. Derzeit würden oft Computersimulationen genutzt, um zu untersuchen, wie Kleinkinder sprechen lernen. Doch digitale Modelle könnten nicht alle Laute synthetisch erzeugen. „Bei ,Sch’ oder ,S’-Lauten entstehen im Mund Turbulenzen, die so komplex sind, dass sie sich kaum nachbilden lassen“. Hier könne künftig das physikalische Modell ansetzen.
Ideen für humanoide Roboter
Drittens denkt der Sprachakustik-Forscher weiter in die Zukunft – an humanoide Roboter zum Beispiel, „die dann nicht wie ein Lautsprecher, sondern wie ein Mensch die Sprache produzieren“.
Auf jeden Fall, meinen die Wissenschaftler, hat sich das Mumienprojekt auch für sie gelohnt. Sie wollen ihre Zungentests vorantreiben und hoffen, Forschungsgelder einzuwerben.
Projektleiter Wilfried Rosendahl in den Reiss-Engelhorn-Museen. Bild: Uwe Anspach/dpa
Projektleiter Wilfried Rosendahl in den Reiss-Engelhorn-Museen. Bild: Uwe Anspach/dpa
Der Klang aus der Vorzeit
„Natürlich ist das nicht 1:1 die Stimme des Menschen, der die Mumie einst war“, sagt Christian Kosmas Mayer. Das sei unmöglich, denn der konservierte Körper verändere sich in Hunderten von Jahren. „Die Knochen sind noch da, Zunge, Lippen aber nicht mehr gut erhalten. Da mussten wir einiges dazu erfinden.“
Allerdings ist das Faszinierende an dem Experiment: „Ein großer Teil des Klangs geht eben doch zurück auf genau diesen Körper. Den haben wir heute noch um uns, weil damals Unsterblichkeitsideen dazu führten, ihn zu konservieren und dem Tod etwas entgegenzusetzen. Der Stimme kam in diesem Glaubenssystem der alten Ägypter eine besonders wichtige Rolle zu, denn nur wenn diese nach dem Tode wieder erklang, hatte man Unsterblichkeit erlangt.“
Vormodern trifft Hypermodern
Heute nun verbindet diese Stimme das Uralte, Vormoderne mit dem Neuen, Hypermodernen. Sie schwingt hin und her und bringt die Vorstellungen von Zeit und Zeitlichkeit durcheinander. Wie die Stimme klingt? „Relativ hoch“, sagt der Künstler. Der technische Aufbau des Klangexperiments lasse die Stimme zwischen natürlichem und künstlichem Klang changieren, was vom Künstler durchaus gewünscht ist.
Christian Kosmas Mayer kann Töne gut beurteilen, denn er ist auch Musiker. Derzeit ist er in Wien dabei, die Töne mit einem Soundexperten zu mischen. „Es wird verschiedene Klänge geben, eventuell überlagernd, ein musikalischer Zugang, der den Ausstellungsraum füllen soll“.
Die Stimme der Mumie, die in der Altana-Galerie erklingen wird, soll einer Dramaturgie folgen, die eine gewisse Atmosphäre erzeugt. Eine, die Brücken schlägt vom Gestern ins Morgen. Verwirrend, poetisch und offen für tausend neue Fragen.
Die Ausstellung in der Altana-Galerie
Das Projekt wird – coronabedingt ein halbes Jahr später als geplant – vom 11. November an bis zum 28. Januar 2022 in der Altana-Galerie der Kustodie an der TU Dresden im Görges-Bau zu erleben sein.
Eine deutlich größere Ausstellung soll 2023 folgen, wenn die ersten vier Stipendiaten des Schaufler Lab durch sind. Sie dürfen ihre Ergebnisse dann im Schauwerk Sindelfingen präsentieren.
Von Barbara Stock
Typisch Japanisch?

Im Gewusel an der Ecke Barfußgässchen weist eine Reihe weißer Kugelleuchten vor der Fensterfront auf die Welt hinter der Tür: Indirekt angeleuchtete Regale, filigrane Raumteiler, eine offene Küche und japanische Dekoration wirken im Zusammenspiel und mit Sinn für Details: Die LVZ ist zu Gast im Umaii.
Die Karte offeriert auf japanische Art gewürzte Salate mit Seegras, Gurke, Kimchi sowie vegane und vegetarische Ramen, bei denen Zutaten wie Jackfrucht, Seitan oder Tofu Hauptrollen spielen, dazu Onigiri (In Algenblätter gewickelte, gefüllte Reisbällchen), Buns (gefüllte, gedämpfte Brötchen) und Bowls, letztere zum Beispiel mit kaltem Reis plus gegrilltem Lachs und Gemüse obendrauf.
Viele verschiedene Sorten Ramen stehen im Umaii auf der Karte. Bild: Petra Mewes
Viele verschiedene Sorten Ramen stehen im Umaii auf der Karte. Bild: Petra Mewes
Beim Hauptgericht fällt die Wahl auf Shake Ramen: In einer Terrine mit würziger Gemüsebrühe liegen auf den Nudeln bunt arrangiert Lachsfilet, Miso und gekochte Eihälften, dazu Pak Choi, Naruto, Lotuswurzel und Zwiebellauch. Zusätzliche Würze erhält das Ganze durch Yuzu-Senf-Vinaigrette. Als Dessert macht das Tiramisu mit grünem Tee im Glas zwar optisch etwas her, bleibt aber geschmacklich recht blass.
Zum Essen stehen Stäbchen und Gewürzsaucen auf den Tischen. Man fischt erst die Zutaten aus der Suppe und setzt das Porzellan dann zum Ausschlürfen an. Am Nachbartisch hat ein vorsichtiger Herr den angebotenen Papierlatz umgehängt. Wir greifen zum Bambuslöffel. Mit Fertigprodukten läuft hier nichts. Die Köchinnen und Köche müssen schon selbst Hand anlegen. Allerdings ist nichts von der Nudelherstellung zu sehen.
Peter Herden hat auf Nachfrage die Erklärung dafür: „Die Ramennudeln und alle Produkte für Umaii Leipzig und Umaii Dresden stellen wir in unserer Vorbereitungsküche am Adler her. Dafür haben wir extra eine Nudelmaschine aus Japan angeschafft, da der Teig für Ramennudeln gewalzt und geschnitten, nicht gepresst wird wie meist italienische Sorten.“ Udonnudeln werden dazugekauft, denn sie sind noch aufwändiger in der Produktion. „Wir beziehen sie wie auch die glutenfreien, kalorienarmen Konnyakunudeln über unseren Lieferanten direkt aus Japan“, ergänzt Herden.
Chicken Karaage in der Umaii Ramenbar. Bild: Petra Mewes
Chicken Karaage in der Umaii Ramenbar. Bild: Petra Mewes
Die Getränkekarte? Mit dem süßen Molkedrink Calpico, Ocha-Tee, Kirin-Bier und Sake stehen Originale darauf. Originell sind die Orangen-Ingwer-Limonade aus selbstgekochtem Sirup sowie Cocktails mit und ohne Alkohol.
Fazit: Die Ramenbar füllt eine Lücke zwischen Sushi- und Asia-Restaurant und ist nicht nur mittags eine schlaue Alternative zu Bratwurst und Burger.
Neuigkeiten aus Leipzig und Umgebung

In Sachsens Fitnessstudios gilt 3G – vorerst
Clubs wollen mit Petition und Klage gegen Quasi-Lockdown vorgehen
Das ist für die Faschings-Saison geplant
Glühwürmchen-Umzug Leipzig 2021: Das sind die schönsten Fotos
Mit Corona-Einschränkungen: So will Leipzig seinen Weihnachtsmarkt retten
Torgaus Nachtwächter
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.